Stand: 09.02.2015 12:09 Uhr

Bergung der Atommüllfässer dauert drei Jahre

Das Bergungskonzept für die rostigen und beschädigten Atommüllfässer im AKW Brunsbüttel steht. Am Montagmittag teilte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) in Kiel mit, dass der Kraftwerks-Betreiber Vattenfall Ende Januar ein neues Konzept eingereicht hat. Mit zwei Auflagen sei dieses vergangene Woche genehmigt worden, so Habeck auf einer Pressekonferenz, die NDR.de im Video-Livestream übertrug. Die Bergung aller rund 630 Fässer wird drei Jahre dauern. Geplant ist, mit den Arbeiten im Sommer dieses Jahres zu beginnen. Bis Anfang 2018 sollen alle Atommüllfässer aus den Kavernen herausgeholt und verpackt sein.

Bergung unter Auflagen

Die Atomaufsicht stimmte dem neuem Konzept unter Auflagen zu. So muss ein spezieller Greifer nicht nur bei den schwer beschädigten Fässern zum Einsatz kommen, sondern auch bei den Behältern, die äußerlich angegriffen aussehen. Nach Einschätzung der Atomaufsicht wird die Bergung damit sicherer. Außerdem muss bei jedem Fass die Feuchtigkeit im Inneren gemessen werden. Dadurch soll vermieden werden, dass in Zukunft weitere Atommüllbehälter durchrosten.

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So sollen die Atommüllfässer geborgen werden

Ende Februar soll mit der Bergung der teilweise verrosteten Atommüllfässer im AKW Brunsbüttel begonnen werden. Der Müll kommt in Container, die dann in ein Endlager sollen. mehr

Mehr als 150 beschädigte Fässer

Zu tun gibt es reichlich: 154 von 573 untersuchten Atommüllfässern in den unterirdischen Lagern des Atomkraftwerks Brunsbüttel sind stark beschädigt. Das ist mehr als ein Viertel der Behälter mit schwach- und mittelradioaktivem Müll. Dies ist allerdings erst eine vorläufige Bilanz. "57 Fässer in der sechsten Kaverne konnte die Kamera wegen der engen Lagerung nicht vollständig einsehen", erklärte Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger. Messungen hätten aber keine gefährliche Radioaktivität gezeigt.

Ursprüngliches Konzept: Umverpackung für verrostete Behälter

Vattenfall hatte früheres Bergungskonzept verwerfen müssen. Damals gingen die Verantwortlichen von einer nur leichten Beschädigung der Fässer aus. Geplant war, alle Behälter zunächst mithilfe eines ferngesteuerten Seilzugs zu bergen. Das wäre möglich gewesen, weil sie in einem Regalsystem hochkant übereinander gelagert sind. Bei der Bergung hätten die Behälter dann in Container umgefüllt werden müssen, die den Annahmebedingungen im geplanten Endlager Schacht Konrad entsprechen. Als die ersten schwer beschädigten Fässer auftauchten, wurde das Konzept jedoch verworfen.

Lagerung nur kurzfristig geplant

Ursprünglich sollten sämtliche Atommüll-Fässer bereits seit vielen Jahren im Endlager Schacht Konrad in Niedersachsen lagern. Das Endlager steht aber noch nicht bereit. Wann es in Betrieb gehen kann, ist unklar. Das Bundesumweltministerium geht von einem Termin zwischen 2021 und 2025 aus. Bis dahin besteht aber laut Vattenfall und Habeck für die AKW-Mitarbeiter in Brunsbüttel noch für die Bevölkerung eine Gefahr. Alle Kavernen sind mit meterdickem Beton abgeriegelt.

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