Stand: 17.10.2017 19:25 Uhr

Bauer soll 189.000 Euro für Straße zahlen

In Lütjenburg (Kreis Plön) soll ein Landwirt einen rekordverdächtigen Beitrag für den Ausbau einer Straße zuzahlen. Das Verwaltungsgericht Schleswig hat ihn dazu verurteilt, 189.000 Euro für eine Straße an die Stadt zu bezahlen, die an seinen Feldern vorbeiführt. Eine "totale Katastrophe", sagt der Mann."Das geht an die Nerven." Ursprünglich hatte die Kleinstadt von der Familie mit zwei Kindern sogar gut 217.000 Euro haben wollen. Der Mann klagte dagegen jedoch vor dem Verwaltungsgericht, das die Summe etwas verkleinerte.

Straße führt an Feldern vorbei

Der Landwirt hat seinen Hof verpachtet, in einigen Jahren soll ihn der 22 Jahre alte Sohn übernehmen. "Aber wenn es bei dieser Summe bleibt, braucht er gar nicht erst anzufangen", sagte der 61-Jährige. Er fühle sich alleingelassen und schiebt der örtlichen Kommunalpolitik die Schuld zu. "In der Gemeinde fing das ganze Desaster an." Die Straße geht von einer Landesstraße ab und führt an der Turmhügelburg, dem Nachbau einer mittelalterlichen Wehranlage, vorbei zum Eiszeitmuseum und dem Haus des Landwirts. Sein Pech: Seine Felder liegen links und rechts der knapp einen Kilometer langen Straße, die 2011 ausgebaut wurde. Die Stadt Lütjenburg legte drei Viertel der gut 600.000 Euro Baukosten auf die sechs Anlieger um.

Stadt lehnt Vergleich ab

Das Schleswiger Gericht habe von der Ursprungsforderung unter anderem die Kosten für die Straßenlaternen abgezogen, sagte der Landwirt. Er werde wahrscheinlich Berufung gegen die Entscheidung einlegen. Die Richterin des Verwaltungsgerichts sei "mehr oder weniger auf unserer Seite gewesen. Ihr waren die Kosten auch viel zu hoch." Einen Vergleich in Höhe von 75.000 Euro habe die Stadt Lütjenburg jedoch abgelehnt. "Für mich war das wie ein Schlag ins Gesicht, ich bin schockiert", sagte die Frau des Landwirts.

Kein Kommentar vom Bürgermeister

Ihr Mann geht davon aus, dass der Ausbau der Straße die Familie inklusive Anwalts- und Gerichtskosten sowie Zinsen nach jetzigem Stand rund 260.000 Euro kosten würde. Lütjenburgs Bürgermeister Dirk Sohn wollte am Dienstag keine Stellungnahme zu dem laufenden Verfahren abgeben. Zu der Frage, ob der Betrag möglicherweise ein Spitzenwert für ganz Deutschland für eine entsprechende Strecke ist, konnte eine Sprecherin des Deutschen Städtetags keine Angaben machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.10.2017 | 20:00 Uhr

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