Stand: 23.08.2015 15:41 Uhr

Barschels Ex-Referent Pfeiffer ist tot

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Reiner Pfeiffer im Jahre 1987: Der ehemalige Journalist löste einen der größten Politikskandale der Nachkriegszeit aus.

Reiner Pfeiffer, der frühere Medienberater des einstigen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU) ist tot. Das bestätigte Reinhard Kock, Samtgemeindebürgermeister von Hambergen bei Bremen, wo Pfeiffer zuletzt gelebt hatte. Zuvor hatte die "Bild am Sonntag" berichtet, dass Pfeiffer bereits in der Nacht auf den 12. August gestorben sei. Seit einer Operation im Jahre 2008 war der 76-Jährige ein Pflegefall.

Schmutzige Methoden im Wahlkampf '87

Pfeiffer gilt als Schlüsselfigur in der Barschelaffäre. Im Landtagswahlkampf 1987 spionierte er Björn Engholm (SPD) aus - mit dem Ziel, den charismatischen und chancenreichen Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten ins Zwielicht zu rücken und der CDU Vorteile zu verschaffen. Er ließ Engholm beschatten, erstattete anonym Anzeige wegen Steuerhinterziehung und verbreitete falsche Behauptungen.

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Kurz vor der Landtagswahl im September 1987 berichtete der "Spiegel" über die Schmutzkampagne gegen Engholm. In einem Interview mit dem Blatt erklärte Pfeiffer, er sei von seinem Chef, dem CDU-Spitzenkandidaten Barschel, zu den Aktionen beauftragt worden. Bei der Wahl verlor die CDU die absolute Mehrheit in Schleswig-Holstein. Barschel gab dennoch nicht auf. Er bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Am 18. September erklärte er auf einer Pressekonferenz: "Über diese Ihnen gleich vorzulegenden eidesstattlichen Versicherungen hinaus gebe ich Ihnen, gebe ich den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Schleswig-Holsteins und der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort - ich wiederhole: Ich gebe Ihnen meine Ehrenwort! - dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind." In den folgenden Tagen jedoch verlor Barschel jeglichen Rückhalt aus seiner Partei und trat am 2. Oktober als Ministerpräsident Schleswig-Holsteins zurück.

Rätselhafter Tod

Neun Tage nach seinem Rücktritt wurde Barschel tot in der Badewanne eines Genfer Hotels von einem "Stern"-Reporter gefunden. Er starb an einer Medikamenten-Überdosis. Die genauen Hintergründe zu Barschels Tod konnten bis heute nicht aufgeklärt werden. Die Barschel-Affäre zählt zu den größten politischen Skandalen in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.08.2015 | 11:00 Uhr