Stand: 11.09.2015 16:50 Uhr

Bahn fährt wieder über die Vogelfluglinie

Die Dänische Polizei hat die Kontrollen größtenteils eingestellt und lässt Flüchtlinge Richtung Schweden durchreisen. Nachdem Dänemark Mitte der Woche zwischenzeitlich den Zugverkehr von und nach Deutschland gestoppt hatte, um die Zahl der Ankömmlinge zu begrenzen, waren viele auf direkte Fähren nach Schweden ausgewichen. Auf der sogenannten Vogelfluglinie nach Dänemark über Puttgarden auf Fehmarn normalisiert sich der Reiseverkehr. Die Deutsche Bahn fährt ab Sonnabend wieder mit Fernzügen von Hamburg aus über Puttgarden in Richtung Kopenhagen. "Auch die Linie Hamburg-Flensburg-Aarhus nimmt dann ihren Betrieb wieder auf", sagte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis am Freitag. Unklar sei jedoch, ob es durch mögliche Kontrollen an der Grenze zu Verzögerungen kommen werde.

Flüchtlinge nehmen Schiffe Richtung Schweden

Behörden zahlen einige Fährtickets

Kommentar

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Seit Donnerstag fahren bereits wieder Züge von Flensburg in Richtung Norden. Am Donnerstagabend waren mehrere Hundert Flüchtlinge mit Ostseefähren von Deutschland nach Schweden weitergereist. 200 Flüchtlinge, die zum Teil mit Bussen von der Erstaufnahme in Boostedt (Kreis Segeberg) gekommen waren, fuhren mit einer Fähre der Stena Line von Kiel nach Göteborg. "Das ist alles ziemlich problemlos gelaufen", sagte ein Polizeisprecher. Die Menschen aus Afghanistan und Syrien warteten den ganzen Tag am Schwedenkai auf die Abfahrt. Für etwa 50 Flüchtlinge, die kein Geld mehr hatten, bezahlten die deutschen Behörden die Tickets, teilten die Beamten außerdem mit. Dies sei eine Einzelfallentscheidung gewesen, um die Lage am Flensburger Bahnhof am Vortag zu entspannen.

Von Rostock nach Trelleborg

Am späten Donnerstagabend setzte sich eine Fähre von Travemünde mit rund 50 Hilfesuchenden nach Schweden in Bewegung. Die Menschen waren zuvor von ehrenamtlichen Helfern am Hamburger Hauptbahnhof abgeholt, mit Tickets versorgt und zum Skandinavienkai gebracht worden. Den Fährbetrieben sei es egal, ob es sich bei den Menschen um Flüchtlinge, Pendler oder Urlauber handele, so eine Sprecherin. Es seien alles Passagiere. Nach Angaben der Bundespolizei gingen in Rostock rund 120 Flüchtlinge am Nachmittag an Bord einer Fähre mit Ziel Trelleborg. Bis zu 200 weitere Flüchtlinge sollten um 22.45 Uhr eine Nachtfähre nehmen.

Flüchtlingsströme jetzt sogenannte Landeslage

Im Laufe des Donnerstags kamen weitere Flüchtlinge in Flensburg an. Polizisten kontrollierten sie nicht. In Schleswig-Holstein übernimmt ab sofort die Landespolizei die Verantwortung für die Bewältigung der Flüchtlingsströme. Das Bundesinnenministerium übertrug die Aufgabe den Ländern. Entsprechend darf die Landespolizei die Flüchtlinge einfach durchreisen lassen. Viele Schutzsuchende setzen auch auf die Fährverbindungen nach Skandinavien.

Schweden behält sich offenbar "Stopp" vor

In Schweden, so ein Sprecher der Reederei Stena Line, würden die Flüchtlinge in Empfang genommen und könnten ihre Asyl-Anträge stellen. Allerdings hätten sich die schwedischen Behörden vorbehalten, irgendwann "Stopp" zu sagen, wenn der Andrang zu groß wird. Am Mittwoch hatten sich etwa 300 Flüchtlinge auf der Autobahn zu Fuß auf den Weg von Dänemark Richtung Skandinavien gemacht.

Dansk Folkeparti ist gegen Weiterreise

Die rechtspopulistische Dänische Volkspartei kritisierte ihre Regierung wegen der Weiterreise der Flüchtlinge. "Das klingt, als habe die Regierung aufgegeben, die Situation zu steuern", sagte der integrationspolitische Sprecher der Dansk Folkeparti, Martin Henriksen, im dänischen Fernsehen.

Albig appelliert an die EU

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) forderte mit Blick auf die Aufnahme von Flüchtlingen von der Europäischen Union ein einheitlich abgestimmtes Verhalten. "Es ist kein deutsches Problem, sondern es ist eine europäische Herausforderung." Deutschland könne diese Aufgabe nicht alleine auffangen. "Es kann auch nicht sein, dass europäische Länder Flüchtlinge schnell weiterschieben und nur Deutschland und Schweden Flüchtlinge annimmt." Flüchtlingshilfe müsse in ganz Europa stattfinden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.09.2015 | 17:00 Uhr