Stand: 24.09.2017 12:17 Uhr

Bäume für Bürger - Obst für jedermann

Von Astrid Wulf

Kurz hinter dem Lübecker Stadtteil Moisling auf der B 75 in Richtung Hamburg biegt Heinz Egleder in eine kleine Straße ein. Er parkt seinen braunen Bulli, holt seine dicken Gummistiefel aus dem Kofferraum und schnappt sich seinen urigen, langen Apfelpflücker. Hier, nur ein paar Hundert Meter neben der Bundesstraße, versteckt sich ein kleines Idyll. Das Ufer der Trave ist gesäumt von Apfelbäumen, an deren Ästen unzählige hellgelbe bis rotbackige Früchte leuchten. Egleder angelt mit seinem Pflücker ein glänzendes Prachtexemplar. "Manche Familien machen extra Ausflüge hierher, um sich ganze Eimer vollzumachen", sagt der Apfelexperte und Vorsitzende des Vereins "Hanse-Obst". Doch trotz ein paar Trampelpfaden im hohen Gras ist diese Wiese offensichtlich noch ein Geheimtipp für Obstpflücker.

Äpfel, Birnen & Co. - Gratis-Obst für Selbstpflücker

Wo man Obst pflücken darf - und wo nicht

Äpfel, Beeren und Pflaumen selber zu pflücken, macht nicht nur einen Riesenspaß. Günstiger und frischer kommt man schließlich nicht an frisches Obst. Wer keine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs oder Diebstahl riskieren möchte, sollte jedoch von Obstbäumen auf Privat- oder Firmengelände die Finger lassen. Auf öffentlichen Wiesen dagegen, wie hier an der Trave, dürfen Bürger die Früchte pflücken - in Maßen jedenfalls, sagt die Lübecker Stadtsprecherin Nicole Dorel. Denn die Obstbäume der Grünanlagen seien vor allem für Tiere da, die sich den ganzen Winter davon ernähren müssen. "Es aber wird keiner etwas sagen, wenn man eine Handvoll Beeren pflückt oder hier oder da mal einen Apfel mitnimmt, solange Bäume und Sträucher nicht beschädigt werden", erklärt Dorel.

Online auf Obstjagd

Sanddorn am Wöhrdener Loch bei Büsum, Pflaumen in Flensburg, Haselnüsse in Norderstedt und Apfelbäume in Eutin: Die Internetseite "Mundraub.org" bietet eine gute Übersicht, wo genau Obst, Nüsse, Beeren und Kräuter zu finden sind. Wer zum Beispiel einen Pflaumenbaum im öffentlichen Raum gefunden hat, kann ihn selbst auf der Karte vermerken. Den Regeln der Mundraub-Community zufolge dürfen ausschließlich Fundorte auf öffentlichem Gelände angegeben werden. Doch wer ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte die Einträge sicherheitshalber nochmal checken - bei den Gemeinde- oder Stadtverwaltungen. Nimmt man allein die Vielzahl von Einträgen auf der Internetseite, ist Schleswig-Holstein ein wahres Obst-Paradies.

Preetzer Streuobstwiesen ein Paradies für Pflücker

Der Haken an der Sache: Einfach nach Herzenslust zu ernten, ist nur an bestimmten Orten möglich - zum Beispiel auf 13 Streuobstwiesen in Preetz im Kreis Plön. Diese Flächen sind echte Besuchermagneten, wie Stephan Jarmatz vom Preetzer Umweltamt sagt: "Teilweise werden die Äpfel nicht einmal richtig reif, weil sie schon vorher gepflückt werden." Dass es bald auch in Lübeck mehr Obstbäume in Parks, auf Friedhöfen und rund um Kirchen gibt, darum kümmern sich Apfelexperte Egleder und seine Mitstreiter des Projekts "Essbare Stadt". "Wir haben schon etwa 1.000 Bäume gepflanzt und pflegen auch ungefähr 350 Altbäume", sagt Egleder. "Die Idee ist, dass Bürger dann einfach zugreifen können."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein bis 2 | 26.09.2017 | 10:10 Uhr

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