Stand: 25.02.2017 17:30 Uhr

Ausstatter für Teilzeit-Ritter und rosa Hasen

von Lukas Knauer

"Ich will aber nicht Batman sein", ruft der kleine Niklas, ballt erst seine Fäuste und verschränkt dann die Arme vor der Brust. "Aber das haben wir doch vorhin so besprochen", sagt Mama Susann Wenzel und kniet vor ihren Sohn. "Ich möchte viel lieber Ritter sein", meint der Kleine trotzig und zeigt auf einen schwarzen Papphelm mit Visier. Kein Problem für Ladenbesitzerin Ute Büsselberg. "Welche Größe hat er noch mal?", fragt sie und verschwindet zwischen den Kostümen.

Kostümverleih samt Tipps von Ute Büsselberg

Kostümverleih im 70er-Jahre-Look

Ute ist mit all ihren Kunden per Du - das lockere die Atmosphäre auf, sagt sie. Zwei Minuten später ist sie wieder da. In den Händen hält sie ein silber-schimmerndes Ritterkostüm aus Stoff und ein Schwert samt Ledergürtel. Seit dem Jahr 2000 betreibt Ute Büsselberg einen Kostümverleih in Flensburg, mitten in einer eher ruhigen Wohngegend. Von außen wirkt ihr Laden völlig unscheinbar. In einem der beiden großen Schaufenster hängt ein Transparent: "Schnick-Schnack-Kostümverleih". So heißt ihr Laden. Im anderen Fenster stehen vier alte Schaufensterpuppen in bunten Kostümen. Eine davon ist als Pippi Langstrumpf verkleidet.

Start mit zehn Kostümen

Im Innern wirkt der Laden wie aus der Welt gefallen: Der grün gemusterte, leicht ausgeblichene Teppichboden, die beigefarbenen Wände und die selbst gezimmerten Umkleidekabinen erinnern an die 70er-Jahre. "Angefangen haben wir mit zehn Kostümen im Kinderzimmer meiner Töchter", sagt Ute Büsselberg. "Erst war das Ganze privat, doch dann kamen immer mehr Leute vorbei und wollten Kostümtipps." Eines Tages wurde die Nachfrage so groß, dass die Schlange der wartenden Kundschaft bis auf den Bürgersteig reichte. Das war für Ute Büsselberg der Moment für den nächsten Schritt: Sie und ihr Mann mieteten eine leere Ladenzeile in der Flensburger Querstraße. Mehr als tausend Kostüme hat Ute mittlerweile angesammelt - Hüte, Masken und sonstige Accessoires nicht mitgezählt. Alles ist fein säuberlich nach Themen und Größen sortiert: vom Prinzessinenkostüm bis hin zum Superman-Anzug ist alles dabei.

Fasching ist Hochsaison

In dieser Woche hat sie von Montag bis Sonnabend jeweils drei Stunden geöffnet. "Ausnahmsweise", sagt Ute. Normalerweise ist sie nur an vier Tagen im Laden. Gerade jetzt sei Hochbetrieb, weil viele Kindergärten Fasching feierten. "Dann kommen vor allem Eltern mit ihren Kindern vorbei", sagt sie mit einem Lächeln. "Ansonsten ist das Publikum hier bunt gemischt, und es kommen eigentlich das ganze Jahr über Leute."

Als rosa Hase zum Job?

Jan Detleffsen ist mit Tochter Emma da: Während sie als Leopardin verkleidet durch den Laden pirscht, schlüpft Papa Jan in ein rosa Hasenkostüm. "Emma feiert am Wochenende Geburtstag, da sollen wir uns alle verkleiden - und da hab ich mich eben für das hier entschieden", sagt er und muss lachen. Tochter Emma blickt ihn mit großen Augen an: "Das Kostüm ist so schön", findet die fast Fünfjährige - äußert dann aber doch Bedenken: "Wenn er so zur Arbeit gehen will, muss er vorher fragen. So können ihn doch keine Leute sehen."

"Wir kommen jedes Jahr wieder!"

Auch Kunde Christian Thal hat seine Kinder mitgebracht. Sie kommen bereits im drittem Jahr in Folge in den Laden. Er selbst ist von Fasching nicht so begeistert. Die große Auswahl an Kostümen beeindruckt ihn trotzdem: "Es ist für die Kinder schön, weil es hier so viele verschiedene Verkleidungen gibt", erzählt er. Außerdem unterstütze man Frau Büsselberg und ihren Laden gerne. "Deshalb kommen wir jedes Jahr, statt im Internet zu kaufen."

Onlinehandel und Discounter sind starke Konkurrenten

Der Onlinehandel und die Discounter machen Ute bereits seit einigen Jahren zu schaffen. Jedes Kostüm ist im Netz nur einen Mausklick entfernt. "Wenn Discounter Kostüme für fünf Euro im Angebot haben, kann ich nicht konkurrieren", sagt Ute Büsselberg.

Ute lebt von ihrer Stammkundschaft und Empfehlungen. Der Laden trage sich "gerade so", meint die gelernte Speditionskauffrau. Wenn Not ist, helfen auch mal die erwachsenen Kinder aus. Ute will ihren Kostümladen so lange es geht weiterführen. Dass ihr das gelingt, davon ist auch Stammkunde Sebastian Loch überzeugt: "Der Laden hat einfach einen gewissen Charme", sagt er. Das liege vor allem an der Inhaberin. "Ute ist ein toller Mensch. Es macht einfach Spaß, mit ihr hier herumzustöbern."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 27.02.2017 | 20:05 Uhr

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