Stand: 04.08.2017 05:00 Uhr

"Auf die 'Gorch Fock'? Das wäre ein Highlight!"

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Connie Walther und Albert Brinkmann werden beide an der Marineschule Mürwik ausgebildet. Sie ist ganz neu dabei, er bereits seit einem Jahr.

Albert Brinkmann (20) und Connie Walther (28) werden an der Marineschule in Flensburg zu Marine-Offizieren ausgebildet. Albert Brinkmann haben wir bereits im vergangenen Jahr einen ganzen Tag lang begleitet. Er hat direkt nach dem Abitur den Weg zur Marine gesucht. Connie Walther ist eine von 80 Seiteneinsteigern an der Marineschule Mürwik in diesem Jahr. Die 28-Jährige hat bereits promoviert und einen Doktor in Meteorologie. Und wollte dann zur Marine. NDR.de hat mit beiden im "Roten Schloss am Meer", der Marineschule Mürwik in Flensburg, gesprochen - über ihre Ausbildung, ihre Motivation und die "Gorch Fock".

Ihr seid beide in unterschiedlichen Jahrgängen hier an der Marineschule Mürwik. Seid Ihr Euch trotzdem schon mal begegnet?

Connie Walther: Ja, beim Sport. Er ist einer der Ausbilder.

Du bist jetzt seit einem Jahr dabei und schon Ausbilder. Wie kam es dazu?

Albert Brinkmann: Wir erhalten eine Ausbildung innerhalb des Offizierslehrgangs und da gehört eben auch "Menschenführung" dazu. Heißt: Wie geht man mit einer Gruppe um, wie spricht man vor einer größeren Gruppe? Um das ein bisschen zu festigen und auch real zu üben, ist das natürlich als Ausbilder sehr vorteilhaft. Außerdem kann ich diesen Aspekt gut mit dem Sport verbinden.

Connie: Ich finde das toll, wenn die jungen Leute so eine Chance bekommen. Ich habe mich während des Studiums freiwillig engagiert. Aber viele fangen ja erst mit Ende 20 an, Verantwortung zu übernehmen. Deshalb finde ich es ganz toll, dass sie die Chance bekommen, im Kleinen zu üben und dann immer mehr Verantwortung übernehmen.

Albert hat direkt nach dem Abitur hier an der Marineschule angefangen, Du hast erst mal Physik studiert und deinen Doktor gemacht. Wie kam es dazu, dass Du jetzt hier an der Marineschule gelandet bist?

Connie: Ich habe schon nach dem Abi überlegt, ob ich über die Bundeswehr denselben Weg gehen soll wie Albert jetzt. Aber ich wollte dann Physik studieren und mich haben Meteorologie und Geophysik auch immer sehr interessiert. Ich habe in Leipzig die Möglichkeit gehabt, in all diese Fächer hinein zu schnuppern. Dann habe ich in Physik mein Diplom gemacht und meine Doktorarbeit in der Meteorologie geschrieben. Danach habe ich beschlossen, mich hier zu bewerben, weil Meteorologen bei der Bundeswehr gesucht werden - und da wurde ich natürlich mit offenen Armen empfangen. Damit ist wirklich ein Traum in Erfüllung gegangen, denn ich wollte ja schon immer zur Marine. Ich bin echt total froh, dass es geklappt hat.

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Connie: Zum Beispiel in der Flugwetterberatung. In Glücksburg haben wir auch Meteorologen sitzen. Das sind Leute, die auf die Schiffe gehen und vor Ort die Wetterberichte erstellen. Wenn ein Hubschrauber an Bord ist, muss dann zum Beispiel auch ein Meteorologe dabei sein, der das Flugwetter berechnen kann. Das ist schon ein wichtiger Job.

Albert, Du bist ja jetzt quasi im zweiten "Lehrjahr" hier an der Marineschule. Waren Deine Beweggründe zur Marine zu gehen ähnlich?

Albert: Auf jeden Fall. Früh Verantwortung zu übernehmen. war ein Grund, wie die Kameradin es bereits gesagt hat. Ein Studium ähnelt eher der Schule. Das war auch einer der Gründe, warum ich zur Bundeswehr gegangen bin.

War es bei Dir auch so, dass in Dir der Wunsch aufgekeimt ist, auf dem Wasser zu sein?

Albert: Ich bin in Kiel groß geworden, habe dort auch Wassersport gemacht, bin gerudert für eine lange Zeit - und dann sprach die Marine natürlich für sich.

Du bist jetzt seit einem Jahr dabei: Wie läuft es denn bislang?

Albert: Bisher gefällt es mir sehr gut. Was ich wirklich so nicht erwartet hätte, ist die Kameradschaft. Hier in der Marineschule Mürwik lernt und wohnt man zusammen und dadurch lernt man die Leute viel schneller kennen. Und das ist auch etwas anderes als zum Beispiel während der Schulzeit bei mir.

Connie: Ja, die Kameradschaft ist wirklich toll. Gerade bei uns im "Zug" ist es sehr eng. Wir verstehen uns gut, wir helfen und erklären uns Dinge gegenseitig. Und da macht auch der Altersunterschied und die Lebenserfahrung nichts mehr aus.

Also sind alle gleich?

Connie: Also im Zug würde ich jetzt nicht sagen, dass ich eine Sonderstellung habe, weil wir alle die soldatische Basis machen müssen. Da müssen wir alle durch. Und da muss man ein bisschen beißen. Da ist es natürlich wichtig, dass man das zusammen durchsteht.

Albert: Das ist für uns Ausbilder auch manchmal schwierig, gerade gegenüber Seiteneinsteigern, die bereits mehr Lebenserfahrung haben. Ich kam zum Beispiel direkt nach der Schule hierher. Und dann ist es natürlich schwierig, jemandem zu erzählen, der schon eine Doktorarbeit geschrieben hat, wie er oder sie jetzt was zu machen hat. (Connie lacht) Aber man muss sich auch vor Augen führen: Die Kameraden, die hierherkommen, die haben dafür wenig Ahnung von der Marine, von der Bundeswehr - und da haben wir eben etwas mehr Erfahrung. Die kann man dann natürlich weitergeben.

Frage an Euch beide: Welche Erwartungen habt Ihr an die Ausbildung und welche wurden bereits erfüllt?

Connie: Wir haben bisher noch nicht viele marinespezifische Sachen gemacht. Aber bald kommen zum Beispiel Nautik und Navigation dran und da freue ich mich sehr drauf.

Albert: Ich habe die Grundausbildung bereits hinter mir, genauso wie den Offizierslehrgang. Wir sind zwar jetzt zwei Wochen in der dänischen Südsee gesegelt, aber bei mir ist dadurch, dass die "Gorch Fock" im Moment in der Werft liegt, die Seefahrt etwas zu kurz gekommen.

Am Mittwoch ist ja das Segelschulschiff "Mircea" in Wilhelmshaven eingetroffen. Die soll die "Gorch Fock" ja nun eine Zeit lang ersetzen. War es für Euch auch ein ausschlaggebender Grund, der Marine beizutreten, weil ihr auf der "Gorch Fock" mitsegeln wolltet?

Connie: Ja, auf jeden Fall! Ich hoffe, es klappt, dass sie bis nächstes Jahr wieder in Schuss ist. Ein Mal auf der "Gorch Fock" - das wäre schon eine tolle Sache.

Albert: Ich wäre auch gerne auf der "Gorch Fock" mitgefahren. Dass es in diesem Jahr nicht geklappt hat, ist schade, aber vielleicht ergibt sich ja nochmal die Möglichkeit während des Studiums oder danach an der Bundeswehr-Uni in Berlin. Das würde ich mir wünschen. Bei uns gab es ja die Möglichkeit, als Ersatz auf die "Mircea" zu gehen. Da ich mich für den Ausbilder im Sportbereich entschieden hab, ist das leider nicht möglich. Aber Kameraden aus meiner Crew werden auf der "Mircea" mitfahren.

Das Interview führte Lukas Knauer

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.08.2017 | 12:00 Uhr

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