Stand: 25.04.2017 15:18 Uhr

Arbeit und Smartphone rauben vielen den Schlaf

Schlecht einschlafen, nicht durchschlafen, tagsüber müde und erschöpft - die Mehrheit der Erwerbstätigen in Schleswig-Holstein kennt das gut. Das geht aus dem neuen Gesundheitsreport der DAK-Gesundheit hervor, für den die Krankenkasse Daten ihrer Versicherten von 2016 ausgewertet hat. Außerdem wurden bundesweit mehr als 5.000 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Das Ergebnis: Rund 78 Prozent leiden unter Schlafproblemen. Hochgerechnet auf alle Erwerbstätigen in Schleswig-Holstein seien das mehr als eine Million Menschen, so die Analyse der DAK.

Die Zahl der Betroffenen im Norden wächst

Eine besonders schwere Form von Schlafstörungen ist die Insomnie, bei der alles zusammenkommt: Wer betroffen ist, schläft schlecht ein und durch, ist tagsüber regelmäßig erschöpft und schläft insgesamt schlecht. Laut der DAK-Studie kämpfen damit etwa 8,3 Prozent der Arbeitnehmer im Norden. Im Vergleich zu Daten aus dem Jahr 2010 sei die Zahl der Betroffenen in der Altersgruppe über 35 Jahren um fast ein Drittel gestiegen. Vor sieben Jahren habe die Mehrheit von ihnen (54,2 Prozent) noch gut geschlafen - heute treffe das nur noch auf knapp ein Viertel zu (23 Prozent).

Wenig Arztbesuche, aber mehr Fehltage

"Schlafstörungen sind nicht mehr nur ein Nischenproblem", sagt Cord-Eric Lubinski, der Leiter DAK-Gesundheit im Land - aber: "Sie werden leicht unterschätzt." So geht nach wie vor auch kaum jemand mit seinen Schlafproblemen zum Arzt: Bei den DAK-Versicherten waren es im vergangenen Jahr nur 5,6 Prozent. Trotzdem steigt die Zahl der Fehltage, die sich auf schlechten Schlaf zurückführen lassen. Auf 100 Versicherte kamen laut der Studie 2016 im Schnitt vier Fehltage - 2005 seien es noch weniger als drei gewesen.

Viel Arbeit - und abends das Smartphone am Bett

Krankmeldungen 2016

In ihrem Gesundheitsreport wertet die DAK-Gesundheit auch die Fehltage ihrer Versicherten insgesamt aus. Demnach war 2016 die Mehrheit der Versicherten in Schleswig-Holstein keinen einzigen Tag krankgeschrieben. 45 Prozent fehlten dagegen mindestens einen Tag krank bei der Arbeit. Im Schnitt zählte die DAK pro Mitglied 14,3 Fehltage. Die häufigsten Gründe: Probleme mit dem Muskel- und Skelett-System, psychische Erkrankungen und Probleme mit den Atemwegen.

Doch was bringt die Menschen nachts um ihren Schlaf? Da sieht die DAK-Studie verschiedene Ursachen. Viel Arbeit, Überstunden, Termin- und Leistungsdruck zum Beispiel. Wer zum Beispiel häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeite, verdreifache sein Risiko, die schwere Schlafstörung Insomnie zu entwickeln, so die DAK-Experten. Allerdings tragen laut der Studie viele auch selbst dazu bei, dass sie schlecht schlafen - weil sie abends zu viel fernsehen oder noch Dinge am Laptop oder mit dem Smartphone erledigen.

Risiko für andere Krankheiten steigt

"Viele Menschen haben nachts das Smartphone an der Steckdose, können aber ihre eigenen Akkus nicht mehr aufladen", sagt Cord-Erik Lubinski. Dabei schlägt schlechter Schlaf nicht nur auf die Fitness und die Stimmung, sondern steigert laut den Autoren der Studie auf lange Sicht auch das Risiko für andere Erkrankungen, zum Beispiel Stoffwechselstörungen, emotionale Störungen, Bluthochdruck oder Herzschäden. "Die zunehmenden Schlafschwierigkeiten in der Bevölkerung sollten uns wachrütteln", sagt Lubinksi. Die Krankenkasse hat deshalb eine Hotline eingerichtet und Informationen zu Schlafstörungen im Internet zusammengefasst.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.04.2017 | 17:00 Uhr

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