Stand: 07.11.2014 17:17 Uhr

"Alexandra": Alte Dame braucht neuen Dampf

Ruhig schaukelt die "Alexandra" in der Flensburger Innenförde. Seit 1908 gehört sie zur Stadt wie das Nordertor. Die aktuelle Schifffahrts-Saison für den mehr als 100 Jahre alten Salondampfer ist beendet - und das durchaus erfolgreich. Die Crew aus 40 Ehrenamtlern hat trotzdem Sorgen. Das Herz des Dampfers, der Kessel, schwächelt nach 106 Jahren. Ein neuer muss her. Der Förderverein weiß, dass das ein teurer Spaß ist. Laut dem Vereinsvorsitzenden Eberhard Starke müssen mehr als 600.000 Euro aufgetrieben werden, damit das altehrwürdige Schmuckstück weiterfahren kann. Jetzt gab es gute Nachrichten aus Berlin: Der Bundestag hat zugesagt, mit 200.000 Euro aus dem Denkmalschutzprogramm zu helfen.

Historischer Salondampfer schwächelt

Kessel ist teils genietet, teils geschweißt

Daten und Fakten zur "Alexandra"

Baujahr: 1908
Werft: Janssen & Schmilinski in Hamburg
Länge: 36.96 Meter
Breite: 7,17 Meter
Tiefgang: 3 Meter
Antrieb: Zweizylinder Compound-Dampfmaschine
Leistung: 420 PS (309 kw) / 12 Knoten (22 km/h)
Besatzung: 7 Mann/Frau seemännisch und technisch, 6 in der Restauration
Liegeplatz: Flensburger Innenförde Schiffbrückkai/Dampferbrücke

Eigentlich ist die „Alexandra“ kerngesund. Als einziger historischer Passagierdampfer hat sie "Seeklasse" - und besteht noch alle Tests. Wenn der neue erste Kapitän Günter Herrman auf dem Hauptdeck die große Klappe am Kessel aufmacht, sind erst mal nur Steppdecken zu sehen. Sie halten die Hitze zurück. Unter den Decken kommt dann der genietete Kessel zum Vorschein. Nichts scheint verändert, seit die Schiffbauer von Janssen & Schmilinski 1908 die "Alexandra" um diesen Kessel herum zusammennieteten. Vorne auf dem Kessel ist der sogenannte Dom befestigt.

In dem umgedrehten Topf sammelt sich der Dampf aus den Flammrohren. Hier entsteht der Dampf, der die zwei Zylinder der Maschine antreibt. Vor Kurzem musste nun ein Teil des Doms aufgeschweißt werden, weil niemand mehr nieten kann. Der Rest des Kessels ist jedoch genietet. Das Problem: Schweißnähte und genietete Verbindungen reagieren unter der immensen Hitze verschieden. Das heißt, der neue Dom wird auf Dauer nicht halten und in drei, vier Jahren die Druckprobe nicht mehr überstehen.

"Alex" 1988 runderneuert

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Viele Ehrenamtler wie Lothar Bemsch machen die "Alexandra" immer wieder flott.

Schon einmal schien das Aus für den in Flensburg liebevoll "Alex" genannten Dampfer gekommen. 1975 legte die Förde-Reederei den Dampfer still. Kohlefeuerung, mehr als zehn Mann Besatzung, Rückgang der Fördefahrt: die "Alexandra" wurde zum Verlustgeschäft. Doch viele Flensburger wollten sich nicht damit abfinden, das Dampferhorn der "Alex" nicht mehr zu hören. Ein Förderverein wurde gegründet, Geld gesammelt und schließlich gelang es mit vielen Ehrenamtlern und Mitteln aus dem Programm der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM), das Schiff wieder flottzumachen. Kurz vor Weihnachten 1988 strömten die Flensburger an die Förde, um das Einlaufen der runderneuerten "Alexandra" zu feiern.

150.000 Euro für neuen Kessel

Nun muss die "Alex" noch einmal flottgemacht werden. Inzwischen ist klar, dass der alte, genietete Kessel, durch einen geschweißten ersetzt werden darf. Und es gibt bereits ein Angebot für den Spezialbau. Das neue Herzstück des Dampfers wird um die 150.000 Euro kosten. Dass der gesamte Einbau 600.000 Euro kostet, hat damit zu tun, dass das Steuerhaus und das gesamte Oberdeck abgenommen werden müssen, um an den Kessel der "Alexandra" zu kommen.

Geld über Sponsoren sammeln

Doch die Aufgabe scheint machbar: Neben den 200.000 Euro aus Berlin hat das Kuratorium "Salondampfer Alexandra", eine Gruppe von Förderern und Freunden des Boots, mehr als 100.000 Euro gesammelt. Und weitere öffentliche Mittel sind zugesagt. Das fehlende Geld wollen der Förderverein und das Kuratorium nun über Sponsoren bekommen. Geplant ist, dass der Kessel im Winter 2015/16 gewechselt wird.

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