Stand: 18.03.2016 19:53 Uhr

Achtung, Umleitung: A-7-Brücke für Wildtiere

von Janine Artist

Noch ragt erst eine Hälfte der Brücke über die neue Fahrbahn Richtung Süden. Wenn jedoch das Bauwerk fertig ist, führt bei Brokenlande (Kreis Segeberg) die erste Grünbrücke über der Autobahn 7. Damit können Wildtiere die sechsspurige Straße künftig gefahrlos überqueren.

Erst eine Brücken-Hälfte ragt über die A 7

Stiftung Naturschutz mit im Boot

Das Bauwerk hat eine Breite von 60 Metern und wird später bepflanzt. Ein schmaleres Bauwerk aus nacktem Beton würden Tiere kaum nutzen, sagen die Experten von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Mit ihnen kooperieren die A-7-Projektgesellschaft Via Solutions Nord und der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr bei dem Bau der Querungshilfe.

Pilotprojekt bei Kiebitzholm hat überzeugt

Die Überquerung wird nach Angaben der Projektverantwortlichen eine der größten Brücken für die heimische Tierwelt. In Schleswig-Holstein gibt es bislang drei Grünbrücken: über die A 24 kurz vor der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern, über die A 20 zwischen Lübeck und Bad Segeberg und über die A 21 zwischen Bad Segeberg und Kiel. Letztere war die erste ihrer Art im Land. Auch dort hatte die Stiftung Naturschutz dafür gesorgt, dass die Brücke an die Natur- und Lebensräume der Umgebung angebunden wurde.

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Projektleiter Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz hat den Überblick, wo im Land es schon Grünbrücken gibt und wo welche geplant sind.

"Der Erfolg der Maßnahme in Kiebitzholm über die A 21 hat uns von der Idee überzeugt", sagt Projektleiter Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz. Weitere Querungshilfen sind bereits für die A 7 bei Bad Bramstedt und für die A 20 - wenn sie weitergebaut wird - geplant. Außerdem gibt es noch vier Punkte im Land, an denen die Naturschützer Grünbrücken für dringend notwendig halten.

Hindernisse sollen keine mehr sein

Mit ihrem Projekt "Wiedervernetzung" arbeitet die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein mit mehreren Partnern daran, flächendeckend Barrieren für Wildtiere abzubauen. Hintergrund ist, dass Autobahnen ihre Lebensräume zerschneiden und oft unüberwindbare Hindernisse für Tiere sind. Dadurch werden ihre natürlichen Wanderungen und der genetische Austausch eingeschränkt.

Brücke auch für Käfer

Bei dem Projekt haben die Naturschützer nicht nur etwa Wildschweine, Rehe, Füchse und Hasen im Blick: "Wir möchten sogar, dass jeder kleine Springschwanz und jeder Laufkäfer diese Grünbrücke eines Tages nutzt", sagt Björn Schulz. "Die sind von Autobahnen fast noch mehr betroffen als die großen Tiere." Das Bundesamt für Naturschutz lobt Schleswig-Holsteins Anstrengungen, ein Wegenetz für Wildtiere über Straßen hinweg aufzubauen, als vorbildlich.

Die Grünbrücke bei Brokenlande soll 2017 fertig sein. Entlang der gesamten Ausbaustrecke der A 7 zwischen dem Dreieck Bordesholm und Hamburg werden laut Via Solutions Nord später Wildzäune errichtet. So sollen die Tiere auf die Brücken geleitet und Unfälle verhindert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.03.2016 | 10:30 Uhr