Stand: 28.08.2017 11:50 Uhr

Abschiebung: Kreis Plön will aus Fehlern lernen

Sie spricht von Fehlern, die nicht wieder passieren dürften: Nach der Rückkehr aus ihrem Auslandsurlaub arbeitet die Landrätin des Kreises Plön, Stephanie Ladwig (parteilos), die Abschiebung einer albanischen Familie aus Kirchbarkau auf. Die Eltern und ihre vier Kinder waren vor knapp zwei Wochen in einer nächtlichen Aktion von der Polizei abgeholt worden, obwohl die Familie als gut integriert gilt. Gleichzeitig stand in dem Fall noch eine Entscheidung der Härtefallkommission aus.

Familie wurde Möglichkeit der Überprüfung genommen

Menschlich habe sie großes Verständnis für die Situation der Familie, so die Landrätin. Die Umstände der Rückführung seien mehr als unglücklich gewesen. Ladwig ergänzt: "Dazu kam hier dann zu meinem großen Bedauern noch der Fehler eines Mitarbeiters, der versehentlich die Akte trotz Aufforderung nicht an die Härtefallkommission weitergeleitet hat." Nach ihrer Auffassung stand zwar fest, dass die Familie nach geltendem Recht kein Aufenthaltsrecht mehr hatte. "Dennoch ist der Familie durch den Fehler zunächst die Möglichkeit genommen worden, noch einmal überprüfen zu lassen, ob speziell ihre Rückführung im Vergleich zu anderen so menschlich unerträglich erscheint, dass ihnen dennoch von der Härtefallkommission ein Bleiberecht zugesprochen werden könnte," sagt Ladwig.

Landrätin will bei Ausländerbehörde nachbessern

Solche Fehler will Ladwig nach eigenen Angaben in Zukunft vermeiden. Deshalb soll bei der Ausländerbehörde ein Vier-Augen-Prinzip eingeführt werden. Gleichzeitig soll vor Abschiebungen über eine standardmäßige Abfrage bei der Härtefallkommission nachgedacht werden. Außerdem wird eine weitere Kraft eingestellt, denn nach den Schilderungen der Landrätin waren die Mitarbeiter der Ausländerbehörde in den vergangenen Monaten stark belastet - durch viel Arbeit, neue gesetzliche Regelungen und Personalwechsel.

Schicksal der albanischen Familie weiter ungewiss

Landrätin Ladwig hofft nun, dass die Härtefallkommission schnell signalisiert, ob der Härtefallantrag Chancen hat oder nicht. "Sollten sich Anhaltspunkte ergeben, die für das tatsächliche Vorliegen eines Härtefalls sprechen, würde die Kreisverwaltung Plön diesem Umstand Rechnung tragen und die Ausnahmeregelungen des Aufenthaltsrechtes nutzen wollen", verspricht Ladwig. So bleibt zunächst unklar, ob die albanische Familie nach Kirchbarkau zurückkommen kann oder in ihrer Heimat bleiben muss.

Weitere Informationen

Abschiebung nach Albanien: Viele offene Fragen

Kontakt gibt es nur per Telefon: Nach der Abschiebung einer Familie nach Albanien ist unklar, ob das Ehepaar und seine vier Kinder zurückkommen dürfen. Die Kreisverwaltung will das zumindest prüfen. (18.08.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.08.2017 | 19:30 Uhr

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