Stand: 02.11.2017 18:00 Uhr

AKW Brokdorf: Rückbau Stein für Stein

Wo heute noch das Kernkraft Brokdorf steht, soll in 20 Jahren nur noch eine grüne Wiese sein. Das sehen die Pläne des Kernkraftwerkbetreibers Preußen Elektra zum Rückbau des Meilers vor. Am Donnerstag gab es dazu eine Infoveranstaltung, bei der die Firma die Anlieger über das Vorhaben informierte. Vor dem Rückbau steht für Preußen Elektra allerdings noch ein Verwaltungsmarathon, denn das Land muss den Rückbau zunächst genehmigen. Erste Bedingung für diese Genehmigung war ebendiese Informationsveranstaltung. Zudem muss der Umfang des nötigen Umweltschutzes analysiert werden.

3.500 Tonnen Müll ins Zwischenlager

Bis zum 31.12.2021 wird das Kernkraftwerk Brokdorf bis zu 33 Prozent der Landesstromversorgung decken, dann soll der Meiler vom Netz gehen. Preußen Elektra hofft, dass der Rückbau dann vom Land genehmigt ist, sodass die Betreiberfirma ab 2022 dann mit dem Meiler-Rückbau beginnen kann. "Wir sehen vor, dass wir bis ungefähr 2026 die Brennelemente aus dem Kraftwerk in einen Castorbehälter gebracht haben. Die kommen dann in ein Zwischenlager und die Genehmigung für das Zwischenlager läuft über 40 Jahre." Die Gesamtkosten für den Rückbau liegen laut Preußen Elektra bei rund einer Milliarde Euro.

Der Reaktordruckbehälter, seine Betonschutzwand, Brennelemente sowie die Dampferzeuger und die Kuppel des Kraftwerks sind hoch radioaktiv verseucht, Kerntechniker müssen sie vorschriftsmäßig in einem Zwischenlager auf dem Betriebsgelände einlagern. Hierbei handelt es sich um rund 3.500 Tonnen Müll - insgesamt ein Prozent der Gesamtmasse.

Keine endgültige Lösung

Das Zwischenlager für diesen radioaktiven Müll erhitzte am Abend bei der Infoveranstaltung die Gemüter. Denn viele der angereisten Atomkraftgegegner wollten nicht nur wissen, wie lange der Rückbau dauert, sondern auch: Wo soll der hochradioaktive Müll abschließend gelagert werden? Wo wird das Endlager sein? Letzteres ist laut Preußen Elektra noch unklar. Der Bund sucht aktuell noch nach einem solchen Lager. Das sorgte bei den etwa 35 anwesenden Atomkraftgegnern für Protest. Sie fordern schon heute eine endgültige Lösung für die Entsorgung des Atomschrotts.

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90 Prozent der stählernen Reaktorbestandteile können laut Experten hingegen eingeschmolzen werden. Sie werden dann zu Bratpfannen oder in Autos verarbeitet und somit in den Industriekreislauf zurückgeführt.

Ausstieg nach Atomkatastrophe beschlossen

2011 hat die schwarz-gelbe Bundesregierung beschlossen, schrittweise aus der Atomenergie auszusteigen. Dieser Ausstieg soll bis 2022 abgeschlossen sein. Die Bundesregierung beschloss den Ausstieg kurz nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima. Eine von der Regierung eingesetzte Ethikkomission war zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Atomenergie durch risikoärmere Technologien wirtschaftlich, ökologisch und sozial verträglich ersetzen lässt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.11.2017 | 15:00 Uhr

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