Stand: 10.03.2017 15:46 Uhr

AKW Brokdorf: Friedliche Proteste und Zwischenfall

Bild vergrößern
Friedliche Demonstration vor dem AKW in Brokdorf: Mehrere Aktivisten blockierten stundenlang die Tore.

Proteste vor dem Atomkraftwerk Brokdorf: Laut Polizei haben am Freitag rund 30 Menschen vor dem Meiler demonstriert. Die Aktivisten stellten Fässer und Transparente vor dem Südtor und dem Haupttor auf. Einige ketteten sich an den Zaun und auch an die Fässer. Zwölf Einsatzfahrzeuge der Polizei und 30 Beamte waren im Einsatz. Erst am Nachmittag wurde die Demonstration nach Angaben der Beamten beendet - friedlich, wie die Polizei betonte.

Räumung der Kraftwerke Brokdorf und Brunsbüttel

Am Vormittag war das Kernkraftwerk kurzzeitig geräumt worden - wegen eines fehlenden Funkkontakts zu einem Flugzeug im deutschen Luftraum. Auch das Atomkraftwerk in Brunsbüttel musste deshalb evakuiert werden. Nur eine Notbesatzung blieb jeweils im Einsatz. Die Situation sei nach kurzer Zeit wieder unter Kontrolle gewesen, teilte das Energiewende-Ministerium am Mittag mit. Der Funkkontakt zu dem vorübergehend abtrünnigen Verkehrsflugzeug mit Kurs London wurde wieder hergestellt.

Demonstranten mit Sitzfleisch

Die Demonstranten ließen sich von dem Zwischenfall nicht aus der Ruhe bringen. Bei den Atomkraftgegnern handelte es sich nach eigenen Angaben um Aktivisten von ContrAtom, Robin Wood und der Bürgerinitiative gegen Atomanlagen. Auf den Transparenten war zu lesen: "Stop aller Atomanlagen und Transporte sofort" und "Krebs-Kraftwerk". Die Aktivisten forderten nach eigenen Angaben anlässlich des Fukushima-Jahrestages die sofortige Schließung aller Atomanlagen weltweit. Die Reaktorkatastrophe in Fukushima passierte am 11. März 2011. Infolge eines Erdbebens und Tsunamis kam es in mehreren Reaktoren zu einer Kernschmelze, es trat radioaktive Strahlung aus.

Meiler bleibt länger vom Netz

Bild vergrößern
Die Aktivisten zeigen sich bei ihrer Demonstration erfinderisch.

Im Atomkraftwerk Brokdorf im Kreis Steinburg hatten Experten an einzelnen Brennstäben auffällige Oxidschichten festgestellt. Gezielte Messungen ergaben Schichtdicken, die Grenzwerte überschreiten. Nach Angaben des Betreibers muss der Meiler länger vom Netz bleiben. Statt das Kraftwerk - wie ursprünglich geplant - am vergangenen Mittwoch wieder anzufahren, gehe man nun davon aus, dass dies frühestens Ende März geschehen könne, so ein Sprecher. Energieminister Robert Habeck (Grüne) hatte den Wiederanfahrtermin bereits vor einer Woche für unrealistisch erklärt.

Weitere Informationen

AKW Brokdorf: Ablagerungen auf Brennstäben

Im AKW Brokdorf haben Inspekteure ungewöhnlich dicke Oxidschichten an den Brennstäben festgestellt. Laut Umweltminister Habeck ist unklar, wann der Meiler wieder hochgefahren werden kann. mehr

AKW Brokdorf: Chronik

1972 begannen die Planungen, 1986 ging das Kernkraftwerk als erstes in Deutschland nach dem Unfall von Tschernobyl ans Netz. Ein Überblick über die Bau- und Protestgeschichte. mehr

1981: Großdemo gegen AKW Brokdorf

Zur bis dahin größten Anti-Atom-Demonstration kommen am 28. Februar 1981 etwa 100.000 Menschen an die Unterelbe - trotz eines kurzfristigen Verbots und massiver Polizeipräsenz. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.03.2017 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:33 min

Windjammerparade im Zeichen des Protests

24.06.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:02 min

Autofahrer auf der A 7 brauchen Geduld

24.06.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:00 min

Höhenrettung: Feuerwehren wollen Spezialeinheit

24.06.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin