Stand: 11.01.2008 11:53 Uhr  | Archiv

Zwei neue Abbrüche an Rügens Kreideküste

Bild vergrößern
Abgestuerzte Teile der Kreidekueste liegen als kleine Halbinsel vor der Steilkueste in Sassnitz. Nach tagelangem Dauerregen ist ein groesserer Steilkuestenabschnitt abgebrochen.

Die Abbrüche an Rügens Kreideküste gehen weiter. Erneut seien an zwei direkt nebeneinanderliegenden Stellen Kreide- und Gesteinsmassen in die Tiefe gestürzt, sagte Michael Weigelt vom Nationalparkamt Jasmund am Freitag. Es seien jeweils rund 1.000 Kubikmeter Steilküste am Wissower Ort und in der Nähe der Wissower Klinken abgebrochen. Ursache sei der ungewöhnlich regenreiche Sommer 2007. Ein Großteil des Wassers befinde sich noch immer im Boden. "Frosttemperaturen lassen das Wasser gefrieren, das dann seine zerstörerische Kraft entfaltet", so Weigelt. Nach mehreren Abbrüchen im Sommer war zuletzt im Dezember ein Stück der Küste abgerutscht. Die 13 Kilometer lange Steilküste mit dem rund 118 Meter hohen Königsstuhl zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen Rügens.

Warnung vor weiteren Abbrüchen

Das Nationalparkamt rechnet in den kommenden Wochen mit weiteren Abbrüchen. "Der Wechsel von Frost und milden Temperaturen kann dazu führen, dass sich weitere Teile aus der porösen Wand lösen", sagte Weigelt. Im vergangenen Jahr waren an der Kreideküste 954 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. Der langjährige Mittelwert liegt nach Angaben des Nationalparkamtes bei 750 Litern.

Wegen der Gefahr weiterer Abbrüche forderte das Nationalparkamt Besucher der Steilküste zu besonderer Vorsicht auf. Spaziergänger am Strand sollten die Küste genau beobachten. Auf dem Hochuferweg sollten sie sich nicht zu nahe an die Abbruchkante wagen. Eine sehr große Gefahr gehe von überhängenden, nur noch durch Wurzelteller gehaltenen Bäume aus.

Küste ständig Naturgewalten ausgesetzt

Abbrüche an Rügens Steilküste sind an sich nichts Ungewöhnliches. Die Kreidefelsen auf der nordöstlichen Halbinsel Jasmund sind ständig Naturgewalten wie Stürmen, Regen, Frost, Meeresbrandung und Schmelzwasser ausgesetzt. Hinzu kommen tektonische Kräfte. Den spektakulärsten Abbruch gab es am 24. Februar 2005, bei dem die berühmten Wissower Klinken zerstört wurden, die bis heute auf vielen Postkarten und Reiseführern abgebildet sind. Damals stürzten rund 50.000 Kubikmeter Kreide in die Tiefe. Einen Monat später rutschte ein Küstenplateau in Lohme von der Größe zweier Fußballfelder ins Meer.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/kreidefelsen4.html