Stand: 10.03.2016 12:23 Uhr

Zwergwal von Schiffsschraube tödlich verletzt

Nachdem ein toter Zwergwal in der Ostsee entdeckt worden ist, steht die Todesursache fest: Das Tier ist von einer Schiffsschraube tödlich verletzt worden. Zwei parallele Schnitte zögen sich über Oberkörper und Oberkiefer des wohlgenährten Jungtieres, teilten Experten des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund am Donnerstag mit.

Schiffsschraube hinterlässt lange und tiefe Schnitte

Der größere Schnitt habe eine Länge von 1,20 Meter und sei 10 bis 20 Zentimeter tief, sagte der Kurator für Meeressäuger, Michael Dähne. Solche parallelen, scharfen Schnitte seien ein typisches Muster bei Verletzungen durch Schiffsschrauben. Sie hat das Jungweibchen offenbar so heftig erwischt, dass es an den Folgen des Zusammenpralls verstarb. Nach Abschluss der Untersuchungen soll das Skelett des Wales gesäubert und später im Museum in Stralsund ausgestellt werden.

Stralsunder Experten untersuchen Zwergwal

Schiffslärm stört Orientierungssinn der Wale

Über das Gehör der Zwergwale sei zwar wenig bekannt, aber vermutlich hörten sie im Ultraschallbereich von etwa 40 kHz, erklärte Dähne. Mit dem tieffrequenten Schiffslärm kämen sie deshalb schlecht klar. Möglich sei, dass der Wal durch den Lärm in der viel befahrenen Kadetrinne die Orientierung verlor und in die Schraube geriet.

Zusammenstöße mit Schiffen in der Ostsee selten

Zusammenstöße zwischen Walen und Schiffen sind in der deutschen Ostsee eher selten. In anderen Regionen, etwa in den USA, gibt es seit einigen Jahren Geschwindigkeitsbegrenzungen für Schiffe und Fähren, um solche Unfälle zu vermeiden. Ob ähnliche Beschränkungen auch für Deutschland sinnvoll sind, ist nach Angaben der Stralsunder Walforscher noch zu prüfen.

Auf der Suche nach Nahrung verirrt?

Zwergwale sind in der Ostsee nicht beheimatet. Das sechs Meter lange Weibchen, das als Irrgast möglicherweise auf Suche nach Futter in die Ostsee gelangt war, sei am Mittwoch von der Besatzung einer Fähre auf der Strecke Rostock-Trelleborg nahe der Kadetrinne entdeckt worden, sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, Holger Brydda. Der Notschlepper "Arkona" habe es nach Stralsund gebracht.

Im vergangenen Herbst war ein seltener Schnabelwal wochenlang in der Wohlenberger Wiek bei Wismar zu Gast - schließlich wurde das Tier tot in Schweden angespült. Im Sommer hatte außerdem ein Finnwal vor Eckernförde für Aufsehen gesorgt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.03.2016 | 12:00 Uhr