Stand: 13.12.2016 16:33 Uhr

Windrad-Sturz: Keine Manipulation festgestellt

Im Fall des umgeknickten Windrades in Grischow vermuten Gutachter ein defektes Bauteil als Unglücksursache. Das hat die Betreiberfirma Ökofair Energie GmbH am Dienstag bekanntgegeben. Welches Bauteil im Einzelnen versagt habe und warum, das müsse noch geklärt werden, so ein Sprecher auf Nachfrage von NDR 1 Radio MV. Die Gutachter hätten aber eine Manipulation oder einen Anschlag als Ursache ausgeschlossen. Außerdem soll laut Meteorologen der Wind zum Unglückszeitpunkt am Sonntagnachmittag mit Stärke sechs nicht besonders stark geweht haben.

Knacks! Windrad in der Mitte durchgebrochen

Dritter Gutachter soll hinzugezogen werden

Sachverständige und Windkraftarbeiter sind dabei, die heruntergestürzten Teil zu untersuchen. Außerdem soll noch ein dritter Gutachter hinzugezogen werden. Am Sonntag war in Grischow in der Gemeinde Süderholz in 25 Metern Höhe das Windrad abgeknickt, Teile mit einem Gewicht von insgesamt rund 70 Tonnen schlugen auf einem Acker auf. Verletzt wurde bei dem Zusammensturz der 90 Meter hohen Windenergieanlage niemand.

Ähnlicher Vorfall in Brandenburg

Es ist allerdings offenbar nicht der erste Vorfall dieser Art. Bereits vor zwei Jahren sei eine Anlage desselben Typs DE 48/600 der Firma DeWind im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis umgeknickt, so die "Ostsee-Zeitung". Damals war der Mast des Windrades ebenfalls in der Mitte durchgebrochen, Gutachter hatten auffällige Rostspuren festgestellt. Der Hersteller sei inzwischen vom Markt verschwunden. Laut Ökofair Energie-Geschäftsführer Christian Herz wird geprüft, ob es Paralellen zwischen beiden Fällen gibt.

Windpark vorerst weiter in Betrieb

Laut Herz gibt es keine Anhaltspunkte, dass ein Serienfehler für den Unfall in Grischow verantwortlich war. Der ganze Windpark in Grischow sei regelmäßig untersucht und instandgehalten worden. Sollte sich doch noch Gefährdungspotential herausstellen, würde man den Park aber abschalten, betonte Herz. Der Windpark bleibt vorerst weiter in Betrieb, einem Sprecher zufolge liegt der Schaden im sechsstelligen Bereich.

Wartungsprotokolle angefordert

Der Süderholzer Bürgermeister Alexander Benkert (CDU) forderte am Montag eine Überprüfung des gesamten Windparks. "Die genaue Ursache müssen Fachleute klären, aber es sollte Sichtprüfungen bei den anderen Windrädern geben." Der Landkreis Vorpommern-Rügen, zuständig für die Bauaufsicht, ließ sich sämtliche Wartungsprokolle des Betreibers schicken. Sollten sich aus diesen Protokollen Wartungslücken ergeben, werde der Windpark gesperrt, sagte ein Kreissprecher.

Vor 16 Jahren gebaut

Die zerstörte Windkraftanlage nahe Grischow gehört zu einem Windpark mit 21 Anlagen, die im Jahr 2000 errichtet wurden. Die Windräder sollen etwa 90 Meter hoch sein und eine Leistung von 0,6 Megawatt pro Rotor haben. Experten zufolge haben solche Windräder im Regelfall eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren. Windkraftgegner zeigten sich nach dem Vorfall beunruhigt. "Dieser Unfall wirft die Frage auf, wie sicher die Windräder tatsächlich sind", sagte der Vorsitzende der Partei Freier Horizont, Norbert Schumacher.

Teile eines kaputten Windrads.

Windrad in Grischow umgestürzt

Nordmagazin -

In Grischow ist ein Windrad in der Mitte durchgebrochen - die Rotorblätter und die Motorgondel stürzten auf ein Feld. Die Ursache ist noch unklar. Verletzt wurde niemand.

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Dossier: Windenergie in Norddeutschland

Im Mix der erneuerbaren Energien spielt Windenergie die bedeutendste Rolle. Vor allem an den Küsten im Norden Deutschlands kommt die Windenergie zum Zuge. Infos im Dossier bei NDR.de. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.12.2016 | 16:00 Uhr

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