Stand: 30.07.2012 05:30 Uhr

Wendelstein: Sicherheitsdebatte geht weiter

von Stefan Ludmann
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Eiskalte Debatte um heiße Kernfusion: Wie groß sind die Sicherheitsmängel bei "Wendelstein 7-X"? (Archivbild)

In der Debatte um Sicherheitsbedenken beim Greifswalder Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" verschärft sich der Ton zwischen dem verantwortlichen Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) und dem Schweriner Sozialministerium. Anlass sind offenbar falsche Darstellungen des Instituts über den Ablauf des weiteren Genehmigungsverfahrens.

Ärger um angeblichen Probebetrieb

Das IPP hatte in einer Pressemitteilung erklärt, dass das Schweriner Sozialministerium einen Probetrieb der Kernfusionsanlage geplant habe, wenn diese fertig gestellt ist. In diesem Probetrieb könne dann auch sicher geklärt werden, ob der Beton der Hallenwände die nötige Abschirmwirkung habe, so das Institut. Es selbst habe daran keinen Zweifel.

Hintergrund

Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald erforscht die Grundlagen für ein Fusionskraftwerk. Ähnlich wie die Sonne soll es Energie aus der Verschmelzung von leichten Atomkernen gewinnen. Die Arbeiten des IPP sind eingebettet in das Europäische Fusionsprogramm, zu dem sich die Fusionslaboratorien der Europäischen Union sowie die Schweiz zusammengeschlossen haben.
Quelle: IPP

Ministerium: Strahlenschutz muss zu 100 Prozent gewährt sein

Das Ministerium - es ist die Genehmigungsbehörde - reagierte offen verärgert auf diese Behauptung. "Es war nie ein Probetrieb vorgesehen", stellte ein Sprecher im Gespräch mit dem NDR klar. Erst in der vergangenen Woche hatte das Ministerium auf einer Sonder-Pressekonferenz mitgeteilt, dass eine Genehmigung für die Anlage "selbstverständlich" nur erteilt werde, wenn die Strahlenschutz-Verordnung zu "100 Prozent" erfüllt sei.

Neues Gutachten soll Sicherheit klären

Weil es beim Beton offene Sicherheitsfragen gibt, soll ein neues Gutachten Klarheit schaffen. Einzelheiten zu dem Gutachten wollen Sozialministerium, das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGuS) und das IPP noch in der Woche besprechen. Die Atmosphäre zwischen Behörden und dem Betreiber gilt vor dem Gespräch als deutlich abgekühlt.

"Selbstherrliches Verhalten" des IPP?

Die Behörden werfen dem IPP nach Informationen des NDR ein allzu selbstherrliches Auftreten vor: Das IPP versuche sich, seine Anlage selbst zu bauen, möglichst frei von Einflussnahme von außen, heißt es. Es könne zum Bespiel nicht sein, dass das IPP Protokolle von Besprechungen erstellte, die das LaGuS dann abzeichnen soll.