Stand: 04.02.2016 11:26 Uhr

"Wendelstein 7-X" erzeugt Wasserstoffplasma

Energie wie auf der Sonne zu erzeugen, ist ein alter Traum der Menschheit. Mit dem Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X"kommt die Wissenschaft der Erfüllung einen Schritt näher. Am Mittwoch hat die Forschungsanlage in Greifswald erstmals Wasserstoffplasma erzeugt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), selbst studierte Physikerin, betätigte den Startschalter für den wissenschaftlichen Betrieb. Ein kurzes, helles Leuchten, das über Monitore aus dem Inneren der Anlage übertragen wurde, signalisierte kurz darauf, dass das Experiment gelungen ist.

"Wendelstein 7-X": Der Sonnen-Simulator

Merkel will Kernfusion weiter fördern

In der eine Milliarde Euro teuren Anlage wird die Kernfusion erforscht, wie sie auf der Sonne abläuft. Sie soll auch auf der Erde als umweltfreundliche Energiequelle nutzbar gemacht werden. Es sei eine der drängendsten Fragen der Menschheit, wie dem zunehmenden Energiebedarf Rechnung zu tragen sei, sagte die Bundeskanzlerin bei ihrem Besuch. Wasserstoff sei fast unbegrenzt verfügbar und eine saubere Energiequelle. Die Kanzlerin kündigte an, dass die Bundesregierung Projekte zur Kernfusion weiter unterstützen werde.

Magnetfeld hält Plasma von Wänden fern

In der Anlage vom Typ "Stellarator" kann Wasserstoff auf mehrere Millionen Grad erhitzt werden, sodass er zu Plasma wird, ein geladenes Gas. Diese hohen Temperaturen können jedoch nur im luftleeren Raum erreicht werden. In der Anlage schließt ein Magnetfeld das Plasma wärmeisolierend ein und hält es vom Gehäuse fern. Der erste Versuch dauerte nur etwa eine Viertelsekunde. Bis 2020 soll die Dauer schrittweise bis auf 30 Minuten verlängert werden. Damit soll gezeigt werden, dass die Bauform "Stellarator" später in einem Fusionskraftwerk genutzt werden kann, wo dann auch die Kernfusion und damit die Energieerzeugung stattfinden soll.

Experimente mit Helium bereits erfolgreich abgeschlossen

Schon im Dezember war in "Wendelstein 7-X" Heliumplasma erzeugt worden. Dieses Gas geht leichter in Plasma über als Wasserstoff. Nun steht fest, dass auch mit Wasserstoff, dem eigentlichen Untersuchungsobjekt, gearbeitet werden kann. Nach Angaben des Instituts wird es aber noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis die Kernfusion den Menschen Energie liefern kann.

Weltweit modernste "Stellarator"-Anlage

"Wendelstein 7-X" ist nach Institutsangaben das modernste und neben einer Anlage in Japan das weltweit größte Fusionsexperiment vom Typ "Stellarator". Mit ITER befindet sich ein kompletter Forschungs-Kernfusionsreaktor in Frankreich im Bau. Dieser setzt allerdings auf die Bauform"Tokamak", um das Magnetfeld zu erzeugen.

Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald

Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik wurde 1960 in Garching bei München gegründet. Ziel ist die Fusionsforschung, um später Kraftwerke zu errichten, in denen Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen gewonnen wird. 1994 wurde in Greifswald das Teilinstitut gegründet, um dort mit "Wendelstein 7-X" das weltweit größte Fusionsexperiment vom Typ "Stellerator" zu errichten. In Greifswald arbeiten rund 500 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker aus 16 Ländern. Das Max-Planck-Institut ist Partner in einem internationalen Forschungsnetz, das sich von den USA über Japan, China nach Russland und Europa erstreckt. Der Start der Vorbetriebsphase ist mit einem Umbau der Mitarbeiterstruktur verbunden. Die Zahl der Ingenieure und Techniker wird von 350 auf 210 reduziert, dafür werden mehr Wissenschaftler eingestellt. (Quelle: dpa)

Video
02:32 min

"Wendelstein 7-X" ist in Betrieb

10.12.2015 19:30 Uhr
Nordmagazin

In Greifswald haben Forscher "Wendelstein 7-X" in Betrieb genommen. Die Kernfusions-Anlage soll die Energiegewinnung revolutionieren. Video (02:32 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.02.2016 | 16:00 Uhr