Stand: 16.11.2016 16:17 Uhr

Vogelgrippe: Wirtschaftliche Einbußen für MV

Wegen der Vogelgrippe haben mehrere europäische und asiatische Länder sowie Südafrika Einfuhrsperren für lebendes Geflügel und Geflügelfleisch aus Deutschland verhängt. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sagte, es gelte nun, die wirtschaftlichen Nachteile für Betriebe hierzulande so gering wie möglich zu halten.

Ausbreitung trotz Schutzmaßnahmen

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Vogelgrippe in MV: Das Umweltministerium gab eine Karte mit Rastplätzen von Wildvögeln heraus.

Seit Montag gilt in ganz Mecklenburg-Vorpommern die Stallpflicht für Geflügel, ein Jagdverbot und Vorsichtsmaßnahmen in Zoos und Tierparks. Dennoch scheint sich die Vogelgrippe weiter im Land auszubreiten. Am Mittwoch wurden weitere tote Wildvögel positiv auf den gefährlichen Erreger H5N8 getestet. Am Dienstag war bereits ein weiterer Verdachtsfall in Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen) bekannt geworden. In einem Nutzgeflügelbestand seien mehrere Tiere verendet, bestätigte ein Sprecher des Veterinäramtes des Kreises am Dienstag. Angaben zu der Größe der Tierhaltung, zur Tierart und dem genauen Ort machte der Kreis nicht. Sämtliche Maßnahmen zum Schutz der Umgebung vor einer möglichen Ausbreitung seien eingeleitet worden. Wegen der Vogelgrippe in Deutschland haben inzwischen einige Länder eine Einfuhrsperre für deutsches Geflügel und Geflügelprodukte verhängt.

Jagdverbot als weitere Schutzmaßnahme

Wegen der Gefahr weiterer Vogelgrippe-Infektionen hatte das Landwirtschaftsministerium am Montag ein vorübergehendes Jagdverbot für Wildvögel in Mecklenburg-Vorpommern angeordnet. Das sind verschiedene Gänse- und Entenarten wie Grau-, Bläss-, Saat- und Kanadagans sowie Stock-, Pfeif-, Krick- und Tafelente. Auch Möwen, Ringel- und Türkentauben sowie Höckerschwäne fallen demnach unter das Jagdverbot. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sagte, er wolle den Jäger als mögliches Verbindungsglied in der Infektionskette zwischen kranken Wildvögeln und gesundem Hausgeflügel ausschließen. Das Jagdverbot gilt bis Anfang nächsten Jahres.

Stallpflicht seit Montag

Die Stallpflicht in MV gilt sowohl für Privatpersonen mit Nutztiergeflügel als auch für industrielle Mast- und Zuchtbetriebe. Die Veterinärbehörden der Landkreise führen dazu Kontrollen durch. Bei Nichteinhaltung der Stallpflicht drohen empfindliche Bußgelder. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sagte, es müsse alles getan werden, um ein Übergreifen des tödlichen Erregers von infizierten Wildvögeln auf Nutztierbestände und damit eine Pandemie - also eine Ausbreitung über Ländergrenzen hinweg - zu verhindern. Mit den Stallpflicht-Zonen soll eine Ansteckung über Kot oder verunreinigtes Wasser verhindert werden.

"Auf das Schlimmste vorbereitet sein"

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Schutzmaßnahmen in Tierparks und Zoos: In Rostock decken Mitarbeiter die Volieren ihrer Wildvögel ab.

Die Vogelgrippe greift im Nordosten offenbar auf immer mehr Wildvögel über, hat große Nutztierbestände im Land bislang aber verschont. "Auch wenn die Lage hierzulande aktuell noch überschaubar ist, müssen wir auf das Schlimmste vorbereitet sein", teilte Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Montag in Schwerin mit. Am Sonnabend hatten Forscher das aggressive Virus H5N8 auf einem privaten Hof bei Mesekenhagen im Landkreis Vorpommern-Greifswald nachgewiesen. Auf dem Hof waren 31 Tiere bereits verendet, als die Einsatzkräfte eintrafen. Die überlebenden 18 Hühner und acht Enten wurden vorsorglich gekeult.

Weitere Fälle bestätigt

Das Agrarministerium bestätigte am Dienstag den Nachweis des hochansteckenden H5N8-Virus bei mehreren verendeten Wildvögeln. Der Virus sei vom Friedrich-Loeffler-Institut bei zwei Mantelmöwen aus Tarnewitz bei Boltenhagen, einer Silbermöwe aus Hohen Viecheln, einem Höckerschwan in Wismar (alles Nordwestmecklenburg) sowie einem Mäusebussard in Ummanz auf Rügen nachgewisesn worden. Am Montagnachmittag hatte sich der Verdachtsfall bei zwei Enten auf dem Plauer See erhärtet.

Zentraler Krisenstab einberufen

Laut Backhaus spricht das Seuchengeschehen für die "Aggressivität und Intelligenz" des Erregers. "Auch haben wir es nun offiziell mit einem kreisübergreifenden Geschehen zu tun", so der Minister. Deshalb sei ein bundesweites Vorgehen von Bund und Ländern erforderlich. Das Bundeslandeswirtschaftsministerium hat kurzfristig einen Zentralen Krisenstab Tierseuchen einberufen. "Sicher hat man erkannt, dass wir deutschlandweit ein flächendeckendes Geschehen bekommen können und die Bundesrepublik dann eventuell für den internationalen Handel gesperrt wird", so Backhaus.

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Mehrere Sperrbezirke eingerichtet

Nach den jüngsten Fällen wurden rund um die Fundorte Sperr- und Beobachtungsbezirke eingerichtet: am Nordufer des Schweriner Sees, auf der Greifswalder Oie, der Insel Riems, im Stadtgebiet Rostock und rund um den Geflügelhof im vorpommerschen Mesekenhagen. Weitere Restriktionsgebiete könnten hinzukommen. Die Veterinärämter führen dort Untersuchungen über den Verbleib gehaltener Vögel, Fleisch von Geflügel, Eiern, tierischen Nebenprodukten und Futtermittel durch. Weitere Informationen gibt es auf der Seite des Agrarministeriums.

Informationen zur Geflügelhaltung in Sperrbezirken

"Nach Festlegung eines Sperrbezirkes dürfen Geflügel und in Gefangenschaft gehaltene Vögel anderer Arten sowie Bruteier aus einem Bestand für die Dauer von 21 Tagen nicht verbracht werden. Gleiches gilt auch für frisches Fleisch, Hackfleisch, Fleischerzeugnisse sowie Fleischzubereitungen von im Sperrbezirk gehaltenen Vögeln oder Federwild. Im Beobachtungsgebiet gelten diese Regelungen für die Dauer von 15 Tagen. Die genauen Beschränkungen für die jeweiligen Gebiete macht das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt bekannt.“ (Landwirtschaftsminister Till Backhaus)

Keine Gefahr für den Menschen

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Diese Karte des Landwirtschaftsministeriums stellt die gegenwärtige Konzentration von Wasservögeln im Nordosten dar.

Zurzeit rasten laut dem Agrarministerium zwischen 50.000 und 60.000 Vögel allein im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, erwartet würden im Land noch zwischen fünf und sechs Millionen - vornehmlich an den Gewässern. Für den Menschen sehen Experten keine Gefahr durch das für Vögel hochansteckende Virus H5N8. Es ist aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel.

Zoos und Tierparks reagieren mit Schutzmaßnahmen

Am Montag leiteten auch Zoos und Tierparks in Mecklenburg-Vorpommern Schutzmaßnahmen für ihre Wildvögel ein. Im Vogelpark Marlow sperrten Mitarbeiter das Wassergeflügel in überdachte Volieren ein. Bei den Epedemien 2014 und 2006 habe man in Marlow Glück gehabt, obwohl der Park nur wenige Kilometer von der Küste entfernt liege, wo sich viele Wildvögel sammelten, so ein Sprecher. Im Zoo Rostock waren im vergangenen Jahr 60 Tiere der Vogelgrippe zum Opfer gefallen. Daher, so eine Sprecherin am Montag, seien bereits die meisten der 441 Vögel aufgestallt. In den Eingangsbereichen lägen Desinfektionsmatten aus. Zudem sei Schutzkleidung für Tierpfleger bereit gestellt worden. Wie das Ozeaneum in Stralsund in sozialen Netzwerken mitteilte, sind auch die zehn Pinguine von den Maßnahmen betroffen. Sie dürfen bis auf Weiteres nicht ins Außengehege.

Bürgertelefon freigeschaltet

Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Auffälligkeiten wie Totfunde von Wildvögeln dem zuständigen Veterinäramt zu melden. Für Rückfragen und Hinweise wurde ein Bürgertelefon unter der Telefonnummer 0385-588 6066 eingerichtet, das werktäglich von 9 bis 14 Uhr erreichbar ist.

Nach Aussage des FLI handelt es sich beim aktuellen Seuchengeschehen unter Wildvögeln in mehreren europäischen Ländern um eine Epidemie, ähnlich dem Geschehen vor zehn Jahren. Damals war das ebenso aggressive Vogelgrippevirus H5N1 erstmals bei einem Schwan auf Rügen nachgewiesen worden. "Jetzt sind es in diesem Jahr bei H5N8 im Wesentlichen Reiherenten. Es ist ein Virus, dass eine hohe Gefährlichkeit hat und das sich offensichtlich in der Wildvogel-Population sehr weit verbreitet hat", sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter. Zuletzt war genau vor zwei Jahren in einer großen Putenmastanlage bei Pasewalk sowie im Rostocker Zoo Vogelgrippe ausgebrochen und hatte einen erheblichen Schaden verursacht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.11.2016 | 17:00 Uhr

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