Stand: 08.02.2016 13:59 Uhr

Vogelgrippe: Es begann mit vier toten Schwänen ...

Genau zehn Jahre ist es her, da versetzten vier tote Schwäne und eine tote Stockente Rügen und wenig später die gesamte Republik in Aufruhr. Urlauber hatten die verendeten Tiere am 8. Februar 2006 an der Wittower Fähre entdeckt. Nach ein paar Tagen folgte die schockierende Diagnose: Vogelgrippe - H5N1. Damit war die gefürchtete Tierseuche in Deutschland angekommen. Es folgten Hunderte tote Schwäne, Seuchenmatten, Helfer in weißen Schutzanzügen.

10 Jahre danach: Wie die Vogelgrippe bis heute nachwirkt

Strenge Maßnahmen, keine Übertragung auf den Menschen

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Thomas Mettenleiter ist sich sicher: Die Vogelgrippe wird uns auch in Zukunft beschäftigen.

Ein Ausnahmezustand in bisher unbekanntem Ausmaß war die Folge. Denn anders als alle zuvor bekannten Geflügelpesterreger ist H5N1 auch für den Menschen gefährlich. Nach der Meinung von Thomas Mettenleiter, Präsident des Bundesforschungsinstitutes für Tiergesundheit auf der Insel Riems, war die Aufregung gerechtfertigt. Es bestand immer die Gefahr einer Pandemie, so Mettenleiter. Sicherlich sei es in einzelnen Bereichen dann auch zu Überreaktionen gekommen. Letztlich habe es in ganz Europa keine einzige menschliche Infektion mit H5N1 gegeben. Andererseits sei das eben auch ein Erfolg der Maßnahmen, so Mettenleiter.

Komplette Geflügelställe ausgelöscht

Die Bundeswehr kontrollierte damals die Zufahrten zur Insel, jeder Fußgänger, jedes Fahrzeug musste desinfiziert werden. Für die Geflügelzüchter der Insel war die Seuche existenzbedrohend. Holger Kliewe war der erste, dessen kompletter Bestand gekeult wurde. 2.000 Tiere - eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die Nähe zum Boddengewässer mit den zahlreichen Wildgänsen und Schwänen war seinen Tieren zum Verhängnis geworden.

Mettenleiter: Vogelgrippe wird uns auch in Zukunft beschäftigen

Rund drei Monate nach dem ersten Befund wurden die Sperrmaßnahmen für Rügen aufgehoben. 158 Wildvögel starben bis dahin an der Seuche. Die Forscher hält die Vogelgrippe bis heute in Atem, so Mettenleiter. Wasservögel seien ein natürliches Reservoir für die Influenza-Viren. Das sei Teil des Ökosystems. Dies werde sich auch in Zukunft nicht ändern.

Ende 2014 kam es in Mecklenburg-Vorpommern zu einem Ausbruch eines weiteren Erregers H5N8. Bei Pasewalk mussten 31.000 Puten getötet werden. Ein Szenario, das sich jederzeit wiederholen kann. Zuletzt hatte es im vergangenen Dezember einen Vogelgrippe-Verdachtsfall in Niedersachsen gegeben, der sich letztlich nicht bestätigte.

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Hintergrund: Geflügelpest - Vogelgrippe - Hühnerinfluenza

Geflügelpest, Vogelgrippe, Hühnerinfluenza - die Tierseuche hat verschiedene Namen, gemeint ist häufig dasselbe. Der Begriff "Geflügelpest" ist der älteste und steht für den schweren Verlauf mit vielen Todesfällen, unabhängig vom Erreger. Seit klar ist, dass es sich um Grippeviren handelt, haben sich Tiermediziner weltweit auf den Begriff "Vogelgrippe" geeinigt. Je nachdem, welche Geflügelart betroffen ist, wird von Hühner-, Gänse-, oder Enteninfluenza gesprochen.

Die ersten Fälle von Vogelgrippe in Deutschland traten im Februar 2006 auf der Insel Rügen bei Schwänen auf. Dabei handelte es sich um den Typ H5N1.

Bei dem 2014 Mecklenburg-Vorpommern festgestellten Erreger H5N8 handelte es sich nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums um einen hochansteckenden Subtyp der Geflügelpest. Zuvor trat H5N8 ausschließlich in Asien auf und wurde damit erstmals in Europa nachgewiesen. Übertragungen auf den Menschen wurden bislang nicht festgestellt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.02.2016 | 12:00 Uhr