Stand: 29.05.2017 15:55 Uhr

Viele Mindestlohn-Verstöße bei Gastro-Betrieben

Zehn Prozent der überprüften Gastronomiebetriebe in Mecklenburg-Vorpommern verstoßen gegen das Mindestlohngesetz. Das ist bei Kontrollen des Zolls herausgekommen. Geprüft wurden 206 Gastro-Betriebe, gegen 21 wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Montag in Neubrandenburg unter Berufung auf Angaben des Bundesfinanzministeriums mitteilte.

Nur 4,4 Prozent der Betriebe kontrolliert

Die Zahlen seien alarmierend, so NGG-Geschäftsführer Jörg Dahms. Die Zahl der Arbeitgeber, die ihren Beschäftigten den Mindestlohn vorenthalten, sei noch immer viel zu hoch. "Von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns Anfang 2015 sollten die Beschäftigten im Gastgewerbe besonders profitieren." Offenbar gingen aber weiterhin viele Kellner und Köche leer aus. Dahms forderte mehr Kontrollen. In Mecklenburg-Vorpommern seien im vergangenen Jahr lediglich 4,4 Prozent der Gastronomiebetriebe überprüft worden.

Dehoga: Mehr Kontrollen nicht nötig

Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sind die meisten Verstöße hingegen "technischer Art" - wenn beispielsweise die Arbeitsstunden nicht ordnungsgemäß aufgezeichnet würden. Nur ganz selten würde der Mindestlohn bewusst nicht gezahlt, deshalb seien mehr Kontrollen nicht nötig.

Kontrollen bei geändertem Arbeitszeitgesetz noch schwieriger

Auch die Debatte um eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes kritisierte der Gewerkschafter: Die Kontrollen zur Einhaltung der Arbeitszeit und damit auch des Mindestlohnes würden dann noch schwieriger als bisher schon, so Dahms. Der Branchenverband fordert, die bisher gültige Maximal-Arbeitszeit von zehn Stunden pro Tag zu kippen und stattdessen auf eine wöchentliche Maximalzeit von 48 Stunden zu setzen. Dadurch könnte das Personal flexibler eingesetzt werden, argumentiert der Dehoga. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) unterstützt den Vorstoß.

Kommentar

Kommentar: Der Mindestlohn ist zu niedrig!

Der Armutsbericht der Bundesregierung zeigt: Das Vermögen in Deutschland ist ungleich verteilt. Das liege auch am zu niedrigen Mindestlohn, kommentiert Christoph Prössl. (13.04.2017) mehr

Projekt: Einkommen auch in der Nebensaison

Weniger Arbeit, weniger Einkommen: In der Nebensaison herrscht für Saisonarbeitskräfte im Gastgewerbe meist Ebbe im Geldbeutel. Ein Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern soll nun Abhilfe schaffen. (18.12.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.05.2017 | 16:10 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

00:41

Ahrenshoop: Kammermusiktage heben begonnen

22.10.2017 16:30 Uhr
Nordmagazin
00:28

Handball: Schwerin unterliegt Hamburg

22.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:30

Die Woche im Nordmagazin

22.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin