Stand: 04.02.2016 17:13 Uhr

Verurteilter Lehrer darf nicht mehr unterrichten

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Das Gericht hatte den Mann als "pädophil und latent gefährlich" eingeschätzt. (Symbolbild)

Im Fall des wegen des Besitzes von Kinderpornos verurteilten Lehrers von der Insel Rügen zieht das Bildungsministerium Konsequenzen. Es werde dafür Sorge getragen, dass der 34-Jährige nach dem Ende der Winterferien in gut einer Woche nicht wieder vor die Klasse trete, versicherte am Donnerstag ein Ministeriumssprecher.

Kein Eintrag in der Personalakte

Aus der Personalakte des Mannes sei nicht hervorgegangen, dass ein Strafverfahren gegen ihn laufe und er habe dies auch in der vor der Ernennung zum Beamten auf Probe abgeforderten Erklärung verschwiegen. Vor Gericht hatte er gestanden, zwischen 2011 und 2014 rund 120.000 Fotos und 150 Filme mit Kinderpornografie auf seinem Computer gespeichert zu haben. Das Amtsgericht im hessischen Bensheim verurteilte ihn am Mittwoch zu einem Jahr und zwei Monaten Haft ohne Bewährung. Nach Ansicht der Richter seien auch weitere Straftaten zu befürchten. Am Donnerstag legten sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft Berufung ein. Die Ankläger hatten eine höhere Strafe gefordert.

Angeklagter hatte sich als Versicherungsmakler ausgegeben

Dass der Mann in Mecklenburg-Vorpommern wieder eine Stelle als Lehrer bekam, wurde am Mittwoch im Laufe des Verfahrens durch eine Aussage der Mutter bekannt, die als Zeugin auftrat. Der Angeklagte räumte das erst auf Nachfrage des Gerichts ein: Auf Rügen sei er als Lehrer angestellt und Beamter auf Probe. Er hatte zuvor geschildert, er sei derzeit freiberuflicher Versicherungsmakler.

Ministerium wurde nicht über Verfahren informiert

Weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, will das Land zunächst mit einer entsprechenden Verfügung dafür sorgen, dass der 34-Jährige nicht mehr unterrichten darf. Nach eigenen Angaben prüft das Bildungsministerium derzeit, warum es über das laufende Verfahren nicht wie üblich durch die zuständige Staatsanwaltschaft oder das Gericht informiert wurde.

Lehrer hatte auch an der Odenwaldschule unterrichtet

Der Lehrer hatte von 2011 bis 2014 an der Odenwaldschule im hessischen Heppenheim unterrichtet. Die Taten des Mannes waren im April 2014 bekannt geworden. Damit gehört der Fall nicht zu demMissbrauchsskandal an der Odenwaldschule in Südhessen, der 2010 an die Öffentlichkeit kam.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.02.2016 | 13:00 Uhr