Stand: 21.04.2017 17:26 Uhr

Ernst-Arndt-Uni Greifswald: Namensstreit 2.0

An der "Ernst-Moritz-Arndt-Universität" in Greifswald haben am Freitag erneut Befürworter und Kritiker des umstrittenen Namenswechsels der Uni debattiert. Nach der heftigen Kritik aus der Bevölkerung an einer ersten Entscheidung der Universität, sich von dem Namen des Schriftstellers zu trennen, hatte die Hochschule zu dem öffentlichen Forum eingeladen. Ziel sei ein respektvoller und offener Dialog, teilte die Hochschule mit. Der Senat der Universität hatte im Januar die Ablegung des Namens beschlossen. Das Bildungsministerium beklagte jedoch formale Mängel an dem Beschluss und stimmte der entsprechenden Änderung der Grundordnung nicht zu.

Ein Mann spricht im Hörsaal der Universität in Greifswald © NDR Fotograf: Matthes Klemme

Uni Greifswald: Debatte mit 500 Teilnehmern

Nordmagazin -

In Greifswald haben Ernst-Moritz-Arndt-Befürworter und Gegner über den umstrittenen Namenspatron der Universität diskutiert. Knapp 500 Menschen waren zu der Veranstaltung gekommen.

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Dauerhafte Lösung gesucht

Wie NDR 1 Radio MV berichtete, diskutierten die etwa 500 Anwesenden im Hörsaal der Universität zeitweise emotional bis hitzig über das Für und Wider einer Namensänderung. Es gab Applaus und Buhrufe aus beiden Lagern für verschiedene Redner. Ein Senatsmitglied betonte, dass man bemüht sei, eine dauerhafte Lösung zu finden, mit der alle leben könnten. So solle eine erneute Diskussion in der Zukunft vermieden werden. Ein Professor der Universität betonte, man müsse sich mit dem Namen der Uni identifizieren können. Der Name solle aber auch integrativ sein. Dies sei mit dem Namenszusatz "Ernst Moritz Arndt" nur bedingt möglich. Gegenredner verwiesen darauf, dass man Arndt "in seiner Zeit" betrachten müsse.

Nur der Senat kann einen Namenswechsel beschließen

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Eine erneute Abstimmung über den Namenszusatz "Ernst Moritz Arndt" muss laut Satzung von einem oder mehreren Senatoren beantragt werden. Dies ist nach Informationen des NDR noch nicht geschehen. Zunächst müsste der erweiterte Senat zwei Änderungen zur Satzung beschließen, die die Grundordnung der Uni betreffen, um Rechtssicherheit zu schaffen und eine erneute Ablehnung durch das Bildungsministerium zu vermeiden. Der engere Senat hat dem am Mittwoch bereits zugestimmt. Entscheidend für eine Namensänderung wäre letztlich ein Beschluss durch den aus 36 Mitgliedern bestehenden Senats.

Umstrittener Namenspatron

Historiker kritisierten, Arndt sei antisemitisch und nationalistisch gewesen. Aber er hatte Anfang des 19. Jahrhunderts auch gegen Napoleon und die Franzosen polemisiert und gilt als Verfechter der Deutschen Einheit. Die Nationalsozialisten sahen in ihm einen Vordenker. Zu DDR-Zeiten wurde hervorgehoben, dass Arndt mit seinen Schriften die Abschaffung der Leibeigenschaft 1806 in Pommern befördert hatte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.04.2017 | 18:00 Uhr

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