Stand: 15.02.2016 13:00 Uhr

Übernehmen Asiaten Nordic Yards - was ist dran?

Das Schiffbauunternehmen Nordic Yards steht offenbar vor einer zumindest teilweisen Übernahme durch den asiatischen Eigentümer der Bremerhavener Lloyd Werft. Wie NDR 1 Radio MV berichtete, geht aus dem Handelsregister des Amtsgerichtes Bremen hervor, dass der Eigentümer der Lloyd Werft, die asiatische Genting-Group, mehrere neue Firmen mit Sitz in Bremerhaven gegründet hat. In den Firmennamen tauchen Warnemünde, Wismar und Stralsund auf.

Lloyd gründet Firmen an Standorten der Nordic Yards

Geschäftsführer der neu gegründeten Firmen ist der Aufsichtsratsvorsitzende der Lloyd Werft, Joachim Hagemann, wie die "Nordsee-Zeitung" in einem Artikel berichtete. Zudem wurden gesonderte Besitzgesellschaften eingetragen. Der Grund für die Firmengründungen blieb offen.

Übernimmt Nordic für Lloyd Bau von Kreuzfahrtschiffen?

Medienberichten zufolge soll die Lloyd Werft für Genting-Reedereien vier Luxuskreuzfahrtschiffe und vier Flusskreuzfahrtschiffe planen und bauen. In Bremerhaven soll allerdings nur die Ausstattung erfolgen; die Rümpfe sollen demnach auf einer anderen Werft gebaut werden. Die Firmengründungen könnten darauf hindeuten, dass Nordic Yards den Zuschlag für den Bau der Rümpfe bekommen soll. Wie der Betriebsratsvorsitzende von Nordic Yards Warnemünde, Harald Ruschel, der Deutschen Presse-Agentur am Sonnabend sagte, brauche die Werft dringend Arbeit. Man wäre froh, wenn Nordic zumindest die Aufträge für die Rümpfe bekäme, so Ruschel. Auch ein kompletter Bau der Schiffe an Standorten in Mecklenburg-Vorpommern ist demnach im Gespräch.

Keine Bestätigung - kein Kommentar

Offiziell ist an den Übernahme-Meldungen nichts dran, denn weder der Genting-Mischkonzern in Kuala Lumpur und sein neuestes Tochter-Unternehmen, die Lloyd-Werft in Bremerhaven, bestätigten oder kommentierten Gespräche oder Verhandlungen. Das Gleiche gilt für den Übernahme-Kandidaten Nordic Yards. Auch da heißt es: keine Bestätigung, kein Kommentar zur Nachfrage von NDR 1 Radio MV. Nach NDR Informationen gibt es allerdings wohl seit dem vergangenen Frühjahr Kontakt zwischen beiden Seiten. Auf Nordic-Seite sei das deutsche Management um Geschäftsführer Herbert Aly wohl außen vor. Die Gespräche würden mit Werft-Eigner Witali Jussufow und dem russischen Management laufen und hätten jetzt zu Jahresbeginn an Fahrt gewonnen.

Nordic Yards: Zuletzt leere Auftragsbücher

Für das Jahr 2015 hatte die Nordic-Werftengruppe mit ihren Standorten in Wismar, Warnemünde und Stralsund zuletzt ein mittelmäßiges Resümee gezogen. Der Genting-Konzern hatte Ende 2015 über seine Tochter "Star Cruises Singapore Investment" die Lloyd Werft zu 100 Prozent übernommen.

Eine Übernahme könnte Nordic Yards und den 1.400 Beschäftigten möglicherweise bringen, was sie am dringendsten brauchen: Aufträge und damit Arbeit. Beides ist bisher nicht in Sicht. Sollte Genting Nordic Yards schlucken, könnten dort die Rümpfe für Flusskreuzfahrt-Schiffe gebaut werden. Die würden dann auf der Lloyd-Werft in Bremerhaven zu Ende gebaut werden. Diese Kooperation könnte der Meyer-Werft in Papenburg als Branchenriesen Paroli bieten.

Nordic Yards hatte bisher immer um Aufträge geworben. Dass jetzt aus Auftrags-Verhandlungen möglicherweise Übernahmegespräche geworden sind, zeigt auch die angespannte Lage bei Nordic. Fraglich ist, ob bei einem möglichen Verkauf gleich alle drei Standorte an die Asiaten gehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.02.2016 | 16:00 Uhr