Stand: 12.03.2015 10:21 Uhr

Tierhaltungsverbot für Groß-Schweinezüchter?

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Die Sauenzuchtanlage in Alt Tellin ist seit Sommer 2012 in Betrieb.

Seit Jahren ist der Schweinezüchter Adrianus Straathof immer wieder in den Schlagzeilen. Über 50.000 Sauen hält er in Deutschland in großen Anlagen, drei davon in Mecklenburg-Vorpommern: in Alt Tellin, Medow und Fahrbinde. Immer wieder hat es in Betrieben von Straathof Verstöße gegen das Tierschutzrecht gegeben.

Die Straathof-Unternehmen haben ihren Betriebssitz in Gladau bei Genthin, Sachsen-Anhalt. Dort haben die Behörden jetzt reagiert: Der Landkreis Jerichower Land und die Staatsanwaltschaft haben dem Schweinezüchter persönlich das Halten von Tieren verboten. In einer entsprechenden Mitteilung der Pressestelle des zuständigen Landratsamtes in Sachsen-Anhalt heißt es: "Das Tierhaltungsverbot betrifft Herrn Straathof persönlich, nicht jedoch seine Firmen als juristische Personen."

Gericht in Magdeburg muss entscheiden

Das Verbot des zuständigen Verwaltungsgerichts in Magdeburg ist noch nicht rechtskräftig, Straathof klagt dagegen. Sollte das Verbot vom Gericht bestätigt werden, würde dies bedeuten, dass die Anlagen entweder aufgelöst oder an einen anderen Besitzer übertragen werden müssten. Zunächst soll in den nächsten Tagen über Straathofs Widerspruch in einem Eilverfahren entschieden werden. Der eigentliche Fall wird die Gerichte wohl noch Jahre beschäftigen, die Betriebe werden voraussichtlich weitergeführt. Die zuständigen Veterinäramtsärzte hoffen auf einen Ansprechpartner vor Ort und dass alle Tiere ordnungsgemäß versorgt werden und nicht ständig Zwangsgelder angedroht werden müssen.

Verbot wurde zunächst geheim gehalten

Die Informationen über die Vorgänge in Sachsen-Anhalt wurden in Mecklenburg-Vorpommern lange unter der Decke gehalten. Dies sei auf Bitten von Sachsen-Anhalt geschehen, um die Aktion nicht zu gefährden, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium MV. Das Verbot gegen Straathof wurde bereits am 24. November 2014 ausgesprochen. Die zuständigen Veterinärämter in Ludwigslust und Anklam wurden erst am 10. Dezember per E-Mail darüber informiert.

Problem Sauenzuchtanlage in Alt Tellin

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Schweinemastanlagen werden regelmäßig von den jeweils zuständigen Veterinärämtern kontrolliert. (Themenbild)

Die größte Sauenzuchtanlage Europs in Alt Tellin im Landkreis Vorpommern-Greifswald war von Beginn an umstritten. Die Veterinärbehörden in Mecklenburg-Vorpommern haben dort wiederholt Verstöße gegen den Tierschutz festgestellt.

Tierschützer im Land werfen den Behörden vor, im Fall Straathof nicht ähnlich konsequent zu handeln wie in Sachsen-Anhalt. Die Bündnisgrünen halten Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) vor, mit dafür gesorgt zu haben, dass die riesige Sauenzuchtanlage in Alt Tellin überhaupt gebaut wurde. Backhaus ist Aufsichtsratsvorsitzender der Landgesellschaft, die die Anlage geplant hat.

Minister Backhaus fordert Bestandsobergrenzen

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Landwirtschaftsminister Till Backhaus begrüßt das Verbot. (Archivfoto)

Der Landwirtschaftsminister sagte zu dem Verbot, er hoffe, dass sich damit die Geschäftspraktiken grundlegend ändern werden und nicht nur ein Strohmann gefunden werde, der die Anlagen in dem Stil wie bisher weiterführe. Backhaus will jetzt noch einmal bei der Bundesregierung Druck machen, damit Bestandsobergrenzen in der Tierhaltung festgesetzt werden.

Veterinäramt in Vorpommern-Greifswald kontrolliert regelmäßig

Alt Tellin und Medow sind für das Veterinäramt im Kreis Vorpommern-Greifswald Schwerpunkte bei ihren Kontrollen. Mindestens einmal in der Woche werde dort kontrolliert. Der zuständige Leiter des Veterinäramtes Holger Vogel sagte dem NDR, er und seine Mitarbeiter würden auch regelmäßig Verstöße gegen den Tierschutz registrieren. So würden beispielsweise Kastrationszeiten nicht eingehalten und auch mit der Lüftung in den Anlagen gebe es immer wieder Probleme. Nach Informationen des NDR müssten rund 30 Mitarbeiter in der Alt Telliner Anlage beschäftigt werden. Allerdings betreuen nur 15 die 10.000 Sauen und wöchentlich 6.000 Ferkel in den Anlagen.

Berufsverbot wie bei "Hühnerbaron"

Einen vergleichbaren Fall, also ein Berufsverbot für einen großen Agrarunternehmer, gab es 1996 in Niedersachsen. Damals ging es um Anton Pohlmann, den sogenannten Hühnerbaron aus dem Landkreis Vechta. Er erhielt Berufsverbot in Deutschland, weil er seine Hühner in Legebatterien zur Schädlingsbekämpfung mit Nikotin berieselt hatte. Danach verlegte Pohlmann seine Aktivitäten in die USA, dort musste er seine Farmen schließen. Später versuchte er, über die EU-Mitgliedsstaaten Tschechien und Ungarn den deutschen Eiermarkt zu beliefern. Damit scheiterte er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.12.2014 | 16:00 Uhr

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