Stand: 18.06.2014 11:56 Uhr

Theatern im Osten stehen Einschnitte bevor

Bild vergrößern
Auf die Theater im Osten Mecklenburg-Vorpommerns kommen schwere Zeiten zu. (Archivbild)

Die Theater- und Orchesterlandschaft im Osten Mecklenburg-Vorpommerns muss mit tiefen Einschnitten rechnen. Dies geht aus den Plänen hervor, die die Münchner Beratungsgesellschaft Metrum am Dienstag im Schweriner Kultusministerium Vertretern der theatertragenden Kommunen vorgestellt hat. Im Kern der Empfehlung steht die Zusammenlegung aller Häuser zu einer gemeinsamen Theater- und Orchester-Gesellschaft (TOG), die für alle Standorte nur noch eine Sparte Schauspiel, Ballett, Musiktheater und Orchester aufrechterhalten soll. Die Pläne sehen die Einsparung von rund 100 Stellen vor.

Pläne: Einzelne Sparten schließen

Damit würden sowohl in Stralsund und Greifswald als auch in Neubrandenburg und Neustrelitz einzelne Sparten geschlossen werden. Hintergrund ist die problematische Theaterfinanzierung. Mit den vorgeschlagenen Kürzungen könnten die Theater ab 2020 mit den bereitgestellten Fördermitteln finanziell gesichert werden. "Es wird Änderungen geben. Ein Zusammenschluss wäre vielleicht ein Modell, über das man nachdenken könnte", sagte Greifswalds Oberbürgermeister Arthur König (CDU) NDR 1 Radio MV.

Bürgermeister beklagen Verlust vieler Arbeitsplätze

Der Neubrandenburger Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) sagte, die Vertreter der Landkreise und Kommunen seien nicht glücklich über diese Vorschläge, sie müssten aber eine realistische Möglichkeit finden, in der finanziell schwierigen Situation auch weiterhin einen leistungsfähigen Theater- und Orchesterbetrieb aufrechterhalten zu können. Dass die Neubrandenburger Philharmonie künftig nur noch 60 Musiker haben soll, sei die absolute Untergrenze, sagte Krüger weiter. Die Region verliere durch die geplante Reform mehr als die Theater in Greifswald und Stralsund. Der Neustrelitzer Bürgermeister Andreas Grund begrüßte zwar, dass seine Stadt weiter Produktionsstandort sein soll, beklagte aber den Verlust vieler Arbeitsplätze.

"Schweres Brot" und "Tod auf Raten"

"Das ist schweres Brot, die Einschnitte für Neustrelitz und die TOG wären erheblich", sagte der Landrat des Kreises Mecklenburgische Seenplatte, Heiko Kärger. Die Fraktion der Linken im Schweriner Landtag lehnt die vorgeschlagene Fusion der Theater und Orchester im Osten Mecklenburg-Vorpommerns komplett ab. Die geplante Bildung eines Theater-Kombinats und Konzentration der unterschiedlichen Sparten würden die Probleme nicht lösen, sagte der kulturpolitische Sprechers der Fraktion, Torsten Koplin. Die sich abzeichnende Degradierung der Standorte sei Augenwischerei und "in Wahrheit ein Tod auf Raten".

Beide Orchester sollen fusionieren

Gemäß der Vorschläge würde zwar jeder Theaterstandort erhalten bleiben. Die einzelnen Sparten würden künftig aber nur noch ein Programm an einem Standort produzieren und an allen geeigneten Standorten aufführen. Auch die beiden vorhandenen Orchester sollen fusionieren. Die Berater schlagen vor, dass in Stralsund ein Teil der Musiker überwiegend in Opernproduktionen mitwirkt, am Standort Neubrandenburg würde ein Konzertorchester überwiegend Konzertprogramme spielen. "Für größere Projekte könnte das Gesamtorchester zusammen musizieren", heißt es.

Diskussionen in Kreisen und Kommunen

Für die Vorpommersche Landesbühne Anklam wird eine Positionierung als kommunales Theater vorgeschlagen. Dessen Intendant Wolfgang Bordel, sieht das neue Theater-Gutachten für den Osten des Landes positiv. "Es ist gut, dass es eine Lösung geben soll, ohne dass wir mit jemandem fusionieren müssen", sagte Bordel am Mittwoch. Sein Haus könne in der Theaterakademie auf Usedom nur dann gut ausbilden, wenn man selbst hervorragend und viel Theater spiele. Die mit der Landesbühne verbundene Vorpommersche Kulturakademie, an der Schauspieler ausgebildet werden, soll in eine Höhere Berufsfachschule umgewandelt werden

Zudem habe die Landesbühne, als Einspartenhaus mit 47 Mitarbeitern, die Zusage des Landes, dass es keine Finanzkürzungen bis 2020 geben soll. Sollte eine Kommune Träger der Vorpommerschen Landesbühne werden, wie im Gutachten angedeutet, müsse das Land die Gelder über die Kommune vergeben. Zur geplanten Streichung der Schauspielsparte in Neustrelitz, die Bordel auch leitet, wollte er sich nicht äußern. Grundsätzlich sei er aber ein Gegner von Fusionen: "Ich glaube nicht, dass sie tatsächlich Lösungen bringen."

Die Vorschläge sollen nun in den Landkreisen und Kommunen vorgestellt und diskutiert werden. Entscheidungen sind vor dem Herbst nicht zu erwarten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.06.2014 | 19:00 Uhr