Stand: 18.02.2016 09:15 Uhr

Studie beleuchtet Schäden nach Doping

von Nicole Buchmann, NDR 1 Radio MV
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Leberschäden, Skelettverformungen, Krebs: Die Langzeitschäden für gedopte Sportler wirken bis heute nach.

Mehr als 700 Athleten haben sich bislang beim Doping-Opfer-Hilfeverein in Berlin gemeldet. Mehr als 12.000 aber waren es, die allein in der DDR zwischen 1974 und 1989 systematisch gedopt wurden. Mit anabolen Steroiden wie STS 646, Oral Turinabol und anderen Präparaten, die zum Teil nie zuvor an einem Menschen getestet worden sind.

Die Krankheitsbilder bei den einstigen Athleten reichen heute von Leberschäden über Krebs bis hin zu Depressionen. Experten gehen von mehr als 2.000 Betroffenen aus.

Trauma Doping

Von einem besonderen Trauma spricht der Chefarzt der Psychosomatik bei den Helios Kliniken in Schwerin, Jochen Buhrmann. Aus dem staatlich verordneten Doping in der DDR - mit oder ohne Wissen der Betroffenen - ergäben sich individuelle Besonderheiten von Vertrauensverlust und dem Verlust der körperlichen Integrität. Darin würden sich die Sportler unterscheiden - etwa von der Gruppe der Heimkinder, sagt Buhrmann.

Tabuthema Doping

Gemeinsam mit dem Direktor der Psychiatrischen Uniklinik in Greifswald, Harald Freyberger, will Buhrmann nun die Daten analysieren und auswerten, die die Doping-Opfer-Hilfe in den vergangenen Jahren gesammelt hat. In Fragebögen und Interviews sollen die Betroffenen ihre Situation schildern. Zudem wollen jeweils zwei Doktoranden in Schwerin und Greifswald ihre Dissertationen mit über die Langzeitschäden bei Dopingopfern schreiben. Ziel der Studie ist laut Buhrmann vor allem eines: Ein Stück Licht ins Dunkel zu bekommen. Ein vollständiges Bild von den Leiden der ehemaligen Athleten gebe es bislang nicht. Die Ergebnisse der Studie könnten zudem helfen, entsprechende Therapien zu entwickeln.

Streitwert Doping

Für die Vorsitzende der Doping-Opfer-Hilfe, Ines Geipel, ein entscheidender Schritt - vor allem im Hinblick auf die Rehabilitation der DDR-Dopingopfer. Bislang hatten die nicht selten Schwierigkeiten, vor den Sozialgerichten des Landes ihren Anspruch durchzusetzen. Die Studie sei eine neue Dimension. Bislang habe insbesondere der organisierte Sport diese Schadensbilanz komplett ausgesessen. Das sei mit einer solchen wissenschaftlichen Studie nicht mehr möglich.

Aufarbeitung Doping

Die Studie - 27 Jahre nach der Wende - kommt für Jochen Buhrmann nicht zu spät. Wenn es auch wünschenswert sei, Betroffene so früh wie möglich zu erreichen, werde gerade beim Thema Doping deutlich, dass die Zeit erst reifen müsse, um solch‘ ein Projekt anzuschieben.

Erst im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung beschlossen, einen weiteren Hilfsfond für die Dopingopfer der DDR aufzulegen. Zehn Millionen Euro sollen dafür von der zweiten Jahreshälfte an zur Verfügung stehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.02.2016 | 07:00 Uhr