Stand: 08.07.2014 11:40 Uhr

Studie: Windräder bergen Risiken für Tourismus

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Bedrohung für den Tourismus? Viele Küstenorte wollen keine Windkraftanlagen in Strandnähe.

Der Bau von weiteren Windkraftanlagen in der Nähe von Ferienorten auf dem Land und vor der Küste ist mit Risiken für den Tourismus verbunden. Das belegen Studien, die am Montagabend in Rostock vorgestellt wurden. Demnach meidet bereits heutzutage ein gutes Prozent aller deutschen Urlauber Mecklenburg-Vorpommern, weil sie Biogas- und Solaranlagen sowie vor allem Windparks zu sehr stören. Das zeigen erste Umfrageergebnisse des Kieler Instituts für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa. Der Landestourismusverband Mecklenburg-Vorpommern hatte sie in Auftrag gegeben. 6.070 Personen wurden befragt, die Studie sei repäsentativ, hieß es.

Fast jeder Zweite nimmt Windparks wahr

Demnach gaben 45 Prozent der Befragten an, Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen im Urlaub wahrzunehmen. Dies entspreche 24,6 Millionen Deutschen. Rund vier Prozent empfänden Windräder und -parks als störend. Beim weiteren massiven Ausbau der erneuerbaren Energien könnte diese Zahl steigen, befürchtet der Präsident des Landestourismusverbandes, Jürgen Seidel.

Konflikte zu Wasser und an Land

Erste Konflikte gibt es bereits. So fürchtet der Betreiber einer Ferienanlage bei Linstow (Landkreis Rostock) um die wirtschaftliche Existenz, weil zwei größere Windparks in der Nachbarschaft entstehen könnten. Die beiden auf 230 Hektar geplanten Windparks sollen nach bisheriger Planung nur knapp einen Kilometer vor der Ferienanlage stehen. Die Stadt Bad Doberan sprach sich kürzlich dagegen aus, dass Offshore-Windparks bis sechs Kilometer an die Küste heranreichen dürfen - aus Furcht davor, Gäste im mondänen Seebad Heiligendamm zu verprellen. Wie schon in Kühlungsborn, Nienhagen und anderen Küstenorten fiel die Entscheidung gegen die Windkraftanlagen in Strandnähe mit großer Mehrheit.

8 Prozent stören Windparks

Die Studie scheint die Befürchtungen zu bestätigen: Von den Mecklenburg-Vorpommern-Urlaubern stören sich demnach bereits heute 7,7 Prozent an Windenergieanlagen und Windparks - ein Wert, der dem Tourismusverband zufolge deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 4,2 Prozent liegt. "Ebenfalls überdurchschnittliche 1,1 Prozent wollen aufgrund dessen den Nordosten nicht wieder besuchen", so Seidel.

Verband: Mehr Gästebefragungen

Die Ausweisung von Vorranggebieten zur Windenergiegewinnung nahe Tourismuszentren im Entwurf zum Landesraumentwicklungsprogramm sei deshalb ein Risiko für die Tourismusbranche und eine Gefahr für das Image des gesamten Bundeslandes. Wann es für das Geschäft gefährlich werde, sei von Ort zu Ort verschieden. Der Landestourismusverband fordert deshalb vor dem weiteren Ausbau Gästebefragungen in den betroffenen Tourismusorten, wie Seidel erklärte. Das gelte vor allem auch für die im ersten Entwurf zum Landesraumentwicklungsprogramm vorgeschlagenen Flächen für den Bau von Meereswindparks in Küstennähe.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.07.2014 | 21:00 Uhr