Stand: 21.04.2015 09:43 Uhr

Sportjournalisten debattieren über Doping

Schwerpunktthema des Kongresses ist der mediale Umgang mit Doping im Sport.

Am Dienstag hat der Verband Deutscher Sportjournalisten in Schwerin seine Tagung fortgesetzt. Ein Schwerpunkt ist das Thema Doping und dessen Aufarbeitung. Neue Erkenntnisse über das Doping in den 1970er- und 1980er-Jahren in Deutschland haben in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt. So war bekannt geworden, dass auch Bundesliga-Vereine und andere Sportverbände mit verbotenen Substanzen beliefert wurden. Auf der anderen Seite kämpfen Athleten, die Opfer von Zwangsdoping in der DDR geworden sind, weiter um Unterstützung.

Geipel für Untersuchungsausschuss Sport im Bundestag

Bei der Diskussionsveranstaltung im NDR Landesfunkhaus Mecklenburg-Vorpommern forderte die frühere Sprinterin und Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins, Ines Geipel, am Montag die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses Sport im deutschen Bundestag. "Nach allem, was auch in den letzten Wochen über den Fußball herausgekommen ist, geht daran doch gar kein Weg mehr vorbei", sagte Geipel. Es wäre das erste Mal, dass sich die Politik mit der Aufarbeitung von systematischem Doping befasst.

Geipel forderte einen neuen Blick auf die "Vertuschungsgesellschaft". Vor einem Untersuchungsausschuss "sollen dann auch mal Leute wie Löw, Breitner oder Beckenbauer erzählen, wie sie involviert waren", sagte die ehemalige Sprinterin, die selbst eines von knapp 200 staatlich anerkannten DDR-Dopingopfern ist.

Sportfotografen und Journalisten prämiert

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Das Sportforto des Jahres 2014: "Weltmeister" von Reinaldo Coddou.

Am Rande des Kongresses wurde auch eine Ausstellung mit den Sportfotos des Jahres eröffnet. Zum 45. Mal richtete das Fachblatt "kicker" zusammen mit dem Sportjournalistenverband die Wahl aus. Das Siegerfoto "Weltmeister" stammt vom Berliner Journalisten Reinaldo Coddou. Außerdem zeichnete der Verband die besten journalistischen Leistungen aus dem Sportjahr 2014 aus.

Grüne wollen Aufklärung über Doping im Nordosten

Derweil wollen die Grünen im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns das Thema Zwangsdoping in den drei Nordbezirken der DDR historisch aufarbeiten lassen. In einem Antrag für die Landtagssitzung am Mittwoch schlagen sie ein vom Land finanziertes Forschungsprojekt zum Dopingsystem in den drei DDR-Nordbezirken Schwerin, Rostock und Neubrandenburg vor. Auch 25 Jahre nach der friedlichen Revolution sei der Dopingeinsatz nahezu unerforscht, es gebe nur wenige knappe Untersuchungen. Viele Betroffene, die oft schon als Kinder und Jugendliche Dopingmittel erhielten, würden bis heute unter den Folgen leiden. Die juristische Aufarbeiterung sei aber nicht gelungen - auch wegen der Verjährungsfristen.

CDU unterstützt Vorstoß, SPD dagegen

CDU-Fraktionschef Vincent Kokert begrüßte die Initiative der Oppositionsfraktion und kündigte an, für eine Überweisung des Antrags zur Beratung in die zuständigen Landtagsausschüsse zu stimmen. "Das ist ein wichtiges Thema, das aufgearbeitet werden muss. Vieles liegt noch im Dunkel, auch weil sich die Sportgymnasien einer offenen Diskussion meist verweigerten", sagte Kokert. Die SPD bezeichnete den Vorstoß hingegen als überflüssig. Auch der Präsident des Landessportbunds, Wolfgang Remer, reagierte reserviert. Das Doping-System sei ausreichend aufgeklärt, sagte Remer NDR 1 Radio MV.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.04.2015 | 18:10 Uhr

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