Stand: 20.03.2017 17:13 Uhr

Schweriner Mieter ohne Strom und Wasser

von Theresa Hebert

Kein Strom, kein heißes Wasser. Die Toilette muss mit einem Eimer gespült werden, weil die Wassserleitung kaputt ist. Auch die Klingelanlagen und die beiden Aufzüge sind seit Monaten kaputt. Der Zustand eines Wohnblocks im Schweriner Stadtteil Mueßer Holz ist mehr als bersorgniserregend. Im Winter fiel über Tage die Heizung aus. Tagelang mussten die Bewohner frieren. Viele sind mit den Nerven am Ende. "Ich schlafe nicht mehr, ich habe eine innere Unruhe, und vor allem ist mir ständig, als wenn ich spucke. Dann sitze ich stundenlang und weine. Nach dem letzten Brand habe ich mir gesagt, ich kann nicht mehr", sagt Gertrud Riemann.

Beschwerden brachten meist nichts

Gertrud Riemann ist 85 Jahre alt und wohnt seit mehr als 20 Jahren in dem Plattenbau aus DDR-Zeiten. Seit dem Kellerbrand direkt unter ihr - Anfang Februar - hat sie keinen Strom mehr. Im Treppenhaus liegt ein provisorisches Stromkabel, eine Verlängerung führt in ihre Wohnung. Es ist ihr einziger Zugang zum Strom. Ihre Beschwerden bei dem Besitzer des Hauses liefen meist ins Leere, sagt sie. "Entweder wurde nicht abgenommen, oder wie gesagt, der ist nicht zuständig, und der ist gerade nicht da. Dann wurde uns wieder ein anderer Name genannt. Und das hat sich ja lange hingezogen."

Bei Kauf Sanierung vereinbart

Der Wohnblock gehört seit über einem Jahr der Intown Wohnen Schwerin GmbH. Damals kaufte das Unternehmen 20 stark sanierungsbedürftige Häuser mit 1.200 Wohnungen von der städtischen Wohnungsgesellschaft WGS Schwerin. Bei dem Verkauf war vertraglich vereinbart worden, dass die Gebäude innerhalb von zehn Jahren saniert werden müssen. Die Mieter warten darauf, dass wenigstens ein Anfang gemacht wird. Wie NDR 1 Radio MV berichtete, begründete die Intown GmbH die Wartezeit mit den aufwändigen Brandursache-Ermittlungen.

Marode Wohnungen im Stadtteil Mueßer Holz

Auch nach dem Kellerbrand am 10. Februar ist noch nicht viel geschehen. Auf Anfrage von NDR 1 Radio MV heißt es in einer Mail. "Die Brandsanierungen haben heute begonnen - Verzögerungen entstanden durch polizeiliche Ermittlungen, die Tatortfreigabe erfolgte Ende Februar 2017. Erst dann konnten Angebote angefordert werden." Und weiter: "Die Heizung und das Warmwasser wurden im Zeitraum vom 3. März bis zum 5. März hergestellt." Nach Informationen von NDR 1 Radio MV haben die Brandsanierungsarbeiten erst am vergangenen Freitag (17. März) begonnen. Seit dem Wochenende gibt es in Gertrud Riemanns Wohnung immerhin wieder Warmwasser.

Stadtvertreter: Vermieter muss Bewohnbarkeit sicherstellen

Das Problem beschäftigt mittlerweile auch die Stadtpolitik. Christian Masch ist Fraktionsvorsitzender der SPD und Mitglied in der Stadtfraktion. "Wenn ich mir die Berichte der Bewohner anhöre, dann ist es vor allem die Kommunikation. Die Bewohner melden die Mängel und es rührt sich offensichtlich nichts. Der Vermieter muss zumindest dafür sorgen, dass die Bewohnbarkeit sichergestellt ist - das heißt Wasser, Strom, Telefon. Darüber hinaus muss der Vermieter auch die angekündigten Modernisierungsmaßnahmen in Angriff nehmen," so Masch im Gespräch mit NDR 1 Radio MV. Bürgermeister Rico Badenschier ergänzte, die von den Kritikern des Verkaufs vorhergesagten Probleme seien schneller aufgetreten als befürchtet.

Gertrude Riemann will umziehen

Gertrud Riemann wird Ende April in eine neue Wohnung umziehen - zwei Kilometer entfernt in den Stadtteil Neu Zippendorf. Die Wohnung sei saniert, hell und habe einen funktionierenden Aufzug, so die 85-jährige. "Ich wollte eigentlich nicht mehr ausziehen - in meinem Alter. Das können Sie sich ja denken. Ich weiß nicht, wie lange ich noch ..., weil ich ja sowieso ins Altersheim muss. Aber jetzt geht es nicht mehr."


16:58 Uhr - Update, Montag

Handwerker räumen ausgebrannten Keller aus

Wie NDR 1 Radio MV am Montagnachmittag berichtete, haben am selben Tag Handwerker damit begonnen, den ausgebrannten Keller auszuräumen. Auch an der Reparatur der Heizung sei gearbeitet worden, hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.03.2017 | 19:30 Uhr

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