Stand: 20.09.2017 17:52 Uhr

Rostock stimmt über Traditionsschiff ab

Wenn am Sonntag die Rostocker die Wahllokale aufsuchen, geht es nicht nur um den Bundestag, sondern auch um den künftigen Standort des Traditionsschiffes. Derzeit liegt das Schiff vom Typ Frieden im Nordwesten der Stadt am IGA-Park - rund zehn Kilometer vom Zentrum entfernt. Für die Verlege-Befürworter gehört das 1957 gebaute Frachtschiff, das ein Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum beherbergt, aber genau dort hin - nämlich in den Stadthafen.

Bessere Wirtschaftlichkeit im Stadthafen?

Knapp 40.000 Besucher zählte das Museumsschiff im vergangenen Jahr, im Stadthafen ließe sich diese Zahl deutlich erhöhen, meinen die Befürworter. Dies sei angesichts der jährlichen Erhaltungskosten des Traditionsschiffes von rund einer Million Euro ein schlagendes Argument, wie etwa Hans-Joachim Hasse, Chef des Maritimen Rates Rostock, überzeugt ist. Hasse war 47 Jahre bei der Deutschen Seereederei (DSR) und ist zehn Jahre lang zur See gefahren. Dass ihm die maritime Geschichte am Herzen liegt, kann wohl nicht bezweifelt werden. Dennoch, als ehemaliger Vorstand der Immobilien AG der DSR blicke er als Unternehmer auf die Debatte: "Die Eigen-Wirtschaftlichkeit einer künftigen Lösung ist sehr wichtig. Weil man damit die Chance hat, sich vom Tropf der Stadt und von Subventionen zu lösen." Und weil sich die Stadt nur einen Standort für das maritime Erbe leisten könne, sei der Stadthafen alternativlos.

Problematische Verkehrssituation

Ein Argument, dass die Befürworter des Standortes im IGA-Park so nicht gelten lassen wollen. "Ich sehe das anders. Bei einer gut gemachten Attraktion fahren die Leute gezielt zu dem Standort hin", meint etwa der Ortsbeirat von Rostock-Schmarl, Uwe Ahlgrimm. Für Ahlgrimm kommt nur der Standort vis-a-vis des Überseehafens in Schmarl infrage - nicht zuletzt aus verkehrspolitischen Erwägungen. "Wollen wir den Ansturm von Hunderttausenden Besuchern, der ja genannt wird, in die Innenstadt leiten? Auch das Parkplatzproblem mit vorhandenen 1.500 Parkplätzen ist hier am Gelände eigentlich gelöst."

Teure Verlegung

Der ehrenamtliche Ortsbeirat Ahlgrimm hat auch nichts dagegen, über Geld und die Wirtschaftlichkeit zu sprechen. Dabei denkt er insbesondere an die Kosten für die Verlegung des Schiffes. Die Rede sei von 7,5 bis 10 Millionen Euro. Doch Ahlgrimm bezweifelt, dass diese Summe reicht. "Denn um den Nutzungskonflikt mit der Hanse Sail zu umgehen, möchte der Bürgermeister noch Aufschüttungen und zusätzliche Baggerungen betreiben. Das heißt, die Kosten werden noch steigen."

OB sieht Chance für Publikumsmagnet im Stadthafen  

Für Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) ist die Entfernung zum Stadtzentrum das Hauptproblem der momentanen Nutzung. Nur im Stadthafen habe das Museum eine Zukunft, ist sich Methling sicher. "Wo, wenn nicht an dieser Stelle, an der sich über acht Jahrhunderte lang Schifffahrt und Schiffbau entwickelt haben, soll sich die Hansestadt und ihre 800 Jahre lange maritime Geschichte angemessen präsentieren?", fragt er. Gleichzeitig würde das Schiff helfen, das Areal am Stadthafen zu einem Maritimen Erlebniszentrum aufzuwerten. "So kann es zum Publikumsmagnet an der gesamten Ostseeküste werden." Das IGA-Gelände könne derweil zu einem Park für die umliegenden Wohngebiete ohne Zaun oder Eintritt entwickelt werden, sagt Methling.

Verbaute Silhouette?

"Im Stadthafen würden wir uns die Silhouette verbauen", argumentiert dagegen die Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch09, Sybille Bachmann, und verweist auf einen Bürgerschaftsbeschluss aus dem Jahr 2005, wonach keine unbeweglichen Schiffe im Stadthafen liegen dürfen. Auch der Ablauf der Hanse Sail würde mit einem Standort Stadthafen beeinträchtigt. Mit einem guten Marketing und einer besseren Verkehrsanbindung könne das Traditionsschiff auch im IGA-Park erfolgreich betrieben werden, meint Bachmann.

Scheitert der Bürgerentscheid an mangelndem Interesse?

Ein Problem des Streits und damit auch des Bürgerentscheids ist, dass er offensichtlich nur eine kleine Gruppe Rostocker interessiert. Die Kommunalverfassung sieht vor, dass zwar die einfache Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen entscheidet. Gleichzeitig muss diese Mehrheit aber mindestens 25 Prozent der in Rostock rund 173.000 Wahlberechtigten umfassen. Wird diese Mehrheit nicht erreicht, entscheidet die Bürgerschaft. Das würde bedeuten: zurück auf Null.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.09.2017 | 18:15 Uhr

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