Stand: 15.09.2017 19:26 Uhr

Razzia in MV: Durchsuchte sind Reservisten

von Friedrich Leist, Daniel Schulz, Martin Kaul

Im Fall der Rechtsterror-Razzien Ende August in Mecklenburg-Vorpommern liegen dem NDR und der "tageszeitung" neue Informationen vor. Demnach sind die Durchsuchten Mitglieder einer Gruppe ehemaliger Bundeswehrsoldaten.

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Bei den Razzien Ende August wurden Objekte in Rostock, Grabow und bei Schwerin durchsucht.

Sie kennen sich aus dem Reservistenverband - die sechs Männer aus Mecklenburg-Vorpommern, deren Häuser und Geschäftsräume Ende August von Spezialeinheiten der Polizei durchsucht worden waren. Gegen zwei der Männer ermittelt die Generalbundesanwaltschaft wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Sie sollen in Chats darüber gesprochen haben, im Krisenfall die Macht zu übernehmen und linke Politiker zu internieren. Alle sechs Männer sind Mitglied derselben Ortsgruppe der Reservistenkameradschaft Laage bei Rostock. Das belegen Recherchen des NDR und der "tageszeitung". Im Reservistenverband der Bundeswehr organisieren sich ehemalige Soldaten und Unterstützer der Bundeswehr, um etwa an Übungen teilzunehmen.

Brücke zu Ermittlungen gegen Franco A.

Bei einem der sechs Durchsuchten handelt es sich nach Informationen von NDR und "tageszeitung" um einen Reserveoffizier der Bundeswehr, der bis vor wenigen Monaten noch ein Kommando führte - bis er aufgrund eines Disziplinarverfahrens vom Dienst enthoben wurde. Er gilt als entscheidende Brücke zwischen zwei Verfahren: den Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Rechtsterroristen und Soldaten Franco A. und die Durchsuchung der Häuser in Mecklenburg-Vorpommern.

Soldat geriet ins Visier des MAD

Nach Informationen von NDR und "tageszeitung" soll dieser Soldat dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) aufgrund seiner möglichen Nähe zu rechter Ideologie und rechten Strukturen aufgefallen sein. So soll er sich beispielsweise Literatur beschafft haben, deren rechter Inhalt den Nachrichtendienst der Bundeswehr alarmierte. Der Reserveoffizier war zunächst vorgesehen, eine Kompanie anzuführen, die rund um den G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg militärische Anlagen beschützen sollte. Als klar wurde, dass es sich um eine heikle Persönlichkeit handelt, plante die Bundeswehr um - und enthob ihn seines Kommandos. Mitte August, also rund zwei Wochen vor den Durchsuchungen in Mecklenburg-Vorpommern, wurde ihm außerdem verboten, seine Uniform zu tragen. Die Bundeswehr selbst will sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern und verweist auf laufende Ermittlungen.

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Reservistenverband MV kündigt Konsequenzen an

Der Reservistenverband Mecklenburg-Vorpommern bestätigte auf Anfrage, dass die sechs im Nordosten durchsuchten Mitglieder im Verband sind. Nun sollen Konsequenzen gezogen werden. Die Männer seien bereits "aus allen E-Mailverteilern und Einladungslisten gestrichen" worden. Auch sei dreien von ihnen, die im Schießsport aktiv sind, für die Dauer der Ermittlungen die Teilnahme am nicht-militärischen Schießen untersagt worden.

Auch der Innenausschuss des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern untersucht die Vorkommnisse. Einige Abgeordnete vermuten ein mögliches rechtsextremes Netzwerk im Land, das potenziell in den Reservistenverband und die Bundeswehr hinein wirkt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.09.2017 | 19:30 Uhr

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