Stand: 14.02.2017 15:21 Uhr

Prozess um KZ-Sanitäter: Nebenkläger ausgeschlossen

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Welche Verantwortlichkeiten besaß der Angeklagte im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau? (Archivbild)

Im Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau hat das Landgericht Neubrandenburg zwei der drei Nebenkläger erneut von dem Verfahren ausgeschlossen. Wie ein Sprecher am Dienstag mitteilte, fielen die Deportationen der von den Nebenklägern vertretenen Opfer nicht in den Zeitraum, um den es in dem Prozess gehe.

Nebenkläger wurden bereits einmal ausgeschlossen

Das Landgericht hatte die Nebenkläger bereits einmal mit einer leicht anderen Begründung von dem Prozess ausgeschlossen. Diese Entscheidung war vom Oberlandesgericht (OLG) Rostock revidiert worden. Die Anwälte der Nebenklage kündigten erneut Widerspruch gegen die aktuelle Entscheidung des Landgerichts an. Wie eine Sprecherin des OLG am Dienstag sagte, werde das Gericht zeitnahe über eine Beschwerde entscheiden.

Beihilfe zu Mord in 3.681 Fällen - oder nur Soldaten betreut?

Dem 96 Jahre alten Ex-Landarbeiter aus der Nähe von Neubrandenburg wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3.681 Fällen vorgeworfen. Im Sommer 1944 war er für mehrere Wochen in der Sanitätsstaffel im KZ Auschwitz-Birkenau tätig. In diesem Zeitraum kamen laut Anklage mehrere Züge mit Häftlingen an, die in den Gaskammern umgebracht wurden. Der Verteidiger bestreitet eine Schuld seines Mandanten. Dieser habe im Sanitätsdienst 1944 nur Soldaten betreut.

Dem Angeklagten drohen 3 bis 15 Jahre Haft

Das Verfahren wurde schon mehrfach abgebrochen. Ursprünglich wollte das Landgericht den Prozess wegen des Gesundheitszustandes des betagten Angeklagten gar nicht eröffnen. Das ordnete auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft aber das Oberlandesgericht in Rostock an. Dann wurde der Prozess Anfang 2016 begonnen, aber wegen gesundheitlicher Probleme des 96-Jährigen wieder ausgesetzt. Im Herbst 2016 wurde der Prozess kurz nach Beginn wieder abgebrochen. Wann das mehrfach unterbrochene Verfahren wieder beginnt, ist derzeit unklar. Zu den ersten beiden Verhandlungsterminen war der Mann jeweils nicht erschienen. Er leide unter Bluthochdruck und sei weder transport- noch verhandlungsfähig, hieß es von der Verteidigung. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Mann drei bis 15 Jahre Haft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.02.2017 | 13:00 Uhr

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