Stand: 17.02.2016 12:00 Uhr

Männer gestehen Anschlag auf Flüchtlingsheim

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Die Angeklagten legten am Mittwoch Geständnisse ab. (Archivbild)

Im Prozess um den Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock) im Oktober 2014 haben die beiden Angeklagten umfassende Geständnisse abgelegt. Die 25 und 26 Jahre alten Männer ließen über ihre Anwälte erklären, ihnen sei bewusst gewesen, dass durch die Brandsätze Menschen zu Schaden kommen konnten. Dies sei ihnen jedoch egal gewesen, da sie bei der Tat betrunken gewesen seien. In dem Prozess vor dem Landgericht Rostock wirft die Staatsanwaltschaft dem Duo versuchten Mord und versuchte schwere Brandstiftung vor.

Vor den Geständnissen war es zu einer Einigung unter den Prozessbeteiligten gekommen. Für ein umfassendes und glaubwürdiges Geständnis stellte der Vorsitzende Richter den Angeklagten Haftstrafen zwischen fünf und sechs Jahren in Aussicht. Der Strafrahmen bei einer Verurteilung wegen versuchten Mordes reicht bis zu 15 Jahren, unter schwerwiegenden Umständen kann aber eine lebenslange Haftstrafe verhängt werden.

Brandsätze auf Unterkunft geworfen

Die Angeklagten sollen in der Nacht zum 12. Oktober 2014 zwei Molotowcocktails auf die Unterkunft geworfen haben. Das Gebäude war seinerzeit komplett eingerüstet. Laut Anklage war einer der Brandsätze an dem Baugerüst zerschellt und hatte ein Kunststofffenster in Brand gesetzt. Die zweite Brandflasche fiel auf eine Wiese vor dem Gebäude. Im oberen Stockwerk des Gebäudes schliefen Familien mit Kindern.

Staatsanwaltschaft vermutet ausländerfeindliche Motive

Die Angeklagten waren im vergangenen August festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft geht von ausländerfeindlichen Motiven für die Tat aus. Das Rostocker Landgericht hat vier Verhandlungstage anberaumt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.02.2016 | 11:00 Uhr