Stand: 14.01.2016 08:08 Uhr

Prora: Geplanter Wohnturm spaltet Einwohner

In Binz auf Rügen haben die Architekten eines geplanten Hochhauses in Prora das Projekt vorgestellt. Zu einer Informationsveranstaltung waren rund 300 Einwohner gekommen. Das Vorhaben stieß auf geteilte Meinungen. Die Mehrheit der Anwesenden sah das Projekt skeptisch. Eine Nutzung als Hotel sei nicht sinnvoll, da schon bestehende Einrichtungen nicht ausgelastet seien, so die Gegner. Andere Einwohner befürchteten eine Verschandelung der Landschaft oder gar einen einsetzenden Bauboom in Prora.

"Wahrzeichen" oder "Wachturm ohne Flakgeschütze"?

Befürworter forderten dagegen, den ihrer Meinung nach unterentwickelten Binzer Stadtteil Prora endlich auszubauen. Der Turm mit 27 Geschossen könne ein neues Zentrum werden und zugleich attraktiv für junge Familien. Der Turm sei ein "architektonisches Statement", ein Wahrzeichen, "eine geniale Sache", die zu einer Umwertung des durch die langen Nazibauten geprägten Ortes führen könne. Andere hingehen erinnert das Gebäude an einen Wachturm. "Es fehlen nur noch die Flakgeschütze."

Pläne bereits vor drei Monaten vorgestellt

Das Hochhaus soll einen halben Kilometer von der Ostsee entfernt auf dem Gelände einer ehemaligen Schule entstehen. Plänen der Architekten zufolge soll der Wohnturm an aufgestapelte Bücher erinnern. Bereits im November hatte der Investor die Pläne öffentlich vorgestellt. Von den Einwohnern kamen Anregungen, viele Fragen, aber auch Kritik. Die wurde vor allem in den sozialen Netzwerken lauter. Investor Jürgen Breuer bietet der Gemeinde eigenen Angaben zufolge 3,5 Millionen Euro für das 13.000 Quadratmeter große Grundstück. "Der Turm gibt Prora ein Gesicht", sagte er.

Turm könnte höchstes Gebäude in MV werden

Ob das Projekt umgesetzt wird und eine Baugenehmigung erhält, ist derzeit unklar. Architektenkammer und Landestourismusverband sehen das Vorhaben eher skeptisch. "Wir haben Bedenken, ob solche Vorhaben mit dem Versprechen an die Urlauber verträglich sind, hier Naturnähe erleben zu dürfen", erklärte Verbandssprecher Tobias Woitendorf. Architektenkammer-Präsident Joachim Brenncke verwies auf NDR 1 Radio MV darauf, dass das Projekt in die Baukultur des Landes passen müsse. Bisher gibt es noch keinen Bebauungsplan. Auch die Zustimmung der Gemeindevertreter fehlt noch. Mit seiner Höhe von 104 Metern wäre der Turm das höchste Gebäude im Nordosten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.01.2016 | 08:00 Uhr