Stand: 07.10.2015 17:33 Uhr

Gerüchte um Flüchtlingskriminalität erfunden

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Viele Gerüchte, wenig Wahrheit: Angebliche Straftaten von Flüchtlingen lassen sich laut Polizei nicht belegen.

Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern hat Gerüchte verneint, die im Zuge der aktuellen Flüchtlingssituation vor allem in sozialen Netzwerken zu lesen sind. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, gibt es keine Anhaltspunkte über eine Zunahme von Straftaten durch Ausländer. Auch einzeln genannte Gerüchte konnten durch Polizei-Angaben oder Nachfragen bei angeblich Betroffenen durch Reporter von NDR 1 Radio MV widerlegt werden.

Kein Anstieg von Diebstählen in Supermärkten gemeldet

So sollen Flüchtlinge in einem Supermarkt in Neubrandenburg ungestraft Ladendiebstähle begangen haben. Vorwiegend in den Abendstunden ließen die Kassierer Asylbewerber mit gestohlenen Waren angeblich schlicht an der Kasse vorbeigehen, um den Verwaltungsaufwand zu sparen, hieß es. Ein Sprecher des Unternehmens bestritt auf Nachfrage von NDR 1 Radio MV am Mittwoch ausdrücklich, dass es derartige Vorfälle gegeben habe. Das Unternehmen habe rund 100 Märkte in Deutschland in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften. In den meisten Fällen, so der Sprecher, habe dies zu keinen Auffälligkeiten wie etwa vermehrten Diebstählen geführt. Es gebe auch keine Ausnahmeregelungen, Diebstähle von Flüchtlingen bis zu einem bestimmten Warenwert gar nicht zu melden. Flüchtlinge würden wie jeder andere Kunde auch behandelt, so der Sprecher wörtlich.

Keine Pferde durch Flüchtlinge geschlachtet

Ein Gerücht über angeblich geschlachtete Pferde in der Nähe der Erstaufnahme-Einrichtung Stern Buchholz in Schwerin erwies sich ebenso als unzutreffend. Nach Recherchen von NDR 1 Radio MV hat die Polizei die Vorwürfe geprüft und als haltlos verworfen. Es habe zudem keinerlei Schweigegeld der Stadt an den Tierhalter gegeben, hieß es. Auch für die vermeintliche Vergewaltigung einer Frau von mehreren dunkelhäutigen Männern in Schwerin gibt es keinerlei Beweise.

Wo die Gerüchte herkommen

Die Meldungen tauchen Informationen von NDR 1 Radio MV zufolge meist zuerst in einschlägigen Internet-Foren auf. Das Gerücht über die geschlachteten Pferde konnten Reporter des NDR bis zu einem anonymen Nutzer zurückverfolgen, dessen Name den Zusatz "von der Maas bis an die Memel" (aus der in rechtsextremen Kreisen verwendeten ersten Strophe des Deutschlandliedes) trägt.

Konflikte in Notunterkünften in MV bislang unter Kontrolle

Nach Polizeiangaben gibt es keinen messbaren Anstieg von Straftaten, die durch Ausländer begangen werden. Hingegen ist die Zahl der politisch motivierten Delikte im Zusammenhang mit Asylbewerberunterkünften nach Polizeiangaben im Vergleich zum Jahr 2014 in diesem Jahr um 200 Prozent gestiegen. Wie NDR 1 Radio MV am Mittwoch berichtete, gab es auch in Mecklenburg-Vorpommern bereits mehrere Rangeleien in den Unterkünften. Dies sei jedoch angesichts Hunderter Menschen verschiedener Herkunft und Religion nicht überraschend und bislang weitgehend unter Kontrolle, hieß es aus dem Innenministerium.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.10.2015 | 10:00 Uhr