Stand: 14.09.2017 15:37 Uhr

Polizei nimmt "Prepper"-Szene ins Visier

Nach den Razzien gegen Rechtsterror-Verdächtige Ende August in Mecklenburg-Vorpommern soll die "Prepper"-Szene genauer unter die Lupe genommen werden. Das wurde am Donnerstag nach einer Sitzung des Landtags-Innenausschusses bekannt. Eine Kommission der Landespolizei soll ein detailliertes Bild zu dem ursprünglich aus den USA stammenden Phänomen der "Prepper" erstellen.

Durchsuchungen wegen Verdacht eines Terrornetzwerks

Hintergrund: Ende August hatten Sicherheitskräfte Wohnungen und Büros von sechs "Preppern" in Mecklenburg-Vorpommern durchsucht. Zwei von ihnen - einem Rechtsanwalt aus Rostock und einem Polizeibeamten aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim - wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen. Festnahmen gab es allerdings keine. Das Spektrum in der Szene reicht nach Angaben des Innenministeriums von "Preppern", die sich auch durch Vorratskäufe auf Naturkatastrophen oder Stromausfälle vorbereiten, bis zu den "Doomern", die der Ansicht sind, der Weltuntergang sei nahe und sie müssten sich mit Waffen vor vermeintlichen Gegnern schützen.

Wer sind "Prepper" und "Doomer"?

Der Begriff "Prepper" ist vom englischen "to be prepared" ("vorbereitet sein") hergeleitet. Gewöhnliche "Prepper" sind Menschen, die sich gegen Katastrophen und Krisen aller Art schützen wollen - von Unwettern über den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung bis hin zum Untergang der Zivilisation ("Doomer"). Dazu horten sie Nahrungsmitteln, Versorgungsgüter und manchmal auch Waffen. Unter den "Preppern" gibt es echte Vorsorge-Profis, aber auch Verschwörungstheoretiker aller Art. Die Bewegung kommt aus den USA und wächst angesichts von Klimawandel, Kriegsangst und Terrorbedrohung auch in Deutschland.

AfD: Nicht jeden "Prepper" unter Rechtsterrorismus-Verdacht stellen

"Es ist vielleicht nicht verkehrt, Informationen zu gewinnen - gar keine Frage. Ich warne aber davor, jeden, der sich bevorratet - ob nun 'Prepper' oder 'Nicht-Prepper' oder 'Doomer' oder 'Nicht-Doomer' - sofort als möglichen Rechtsterroristen oder als Gefährder für unsere staatliche Ordnung zu sehen", sagte der AfD-Sicherheitsexperte Nikolaus Kramer. Die SPD-Abgeordnete Martina Tegtmeier begrüßte das Vorhaben des Innenministeriums. Dass derzeit keine weiteren Informationen bekannt gegeben werden, liege in der Natur der Sache, denn das Ermittlungsverfahren stehe noch am Anfang. Tegtmeier befürchtet, dass mit den Durchsuchungen Ende August nur die Spitze des Eisbergs sichtbar geworden sei. "Prepper" lediglich als besorgte Bürger abzutun, die Dosen-Ravioli sammeln, sei zu wenig.

Innenstaatssekretär: Adressen nicht im Zusammenhang mit Mordplänen

Der ermittelnde Generalbundesanwalt hatte den Verdacht, dass sich die Verdächtigen nicht nur für den Fall eines staatlichen Zusammenbruchs mit Waffen und Vorräten eingedeckt hatten. Sie sollen zudem geplant haben, linke Politiker in diesem Fall zu töten. In verschiedenen Berichten war seinerzeit von der Existenz einer "Todesliste" die Rede. Das konnte Innenstaatssekretär Thomas Lenz, der den Innenausschuss am Donnerstag über die Erkenntnisse des Ministeriums informierte, nicht bestätigen: "Es handelt sich um Unterlagen mit Adressen von Organisationen und Institutionen. Allerdings besteht kein direkter Zusammenhang dieser Adressen mit einem konkreten Mordanschlag."

Linke fordert Akteneinsicht

Das ist dem Innenexperten der Linken, Peter Ritter, zu dürftig. Er befürchtet, dass möglicherweise ein rechtsextremes Netzwerk entstanden sei, bei dem genauer hingesehen werden müsse: "Für mich gibt es hier viele Parallelen zum Terrornetzwerk NSU und zu dessen Entstehungsgeschichte", so Ritter. Der Linken-Politiker beschwerte sich zudem darüber, dass der Ausschuss nicht hinreichend informiert werde. "Wir haben keinen Aktenzugang." Alle Nachfragen nach tiefergehenden Informationen zu dem Fall würden mit Hinweis auf die Ermittlungen des Generalbundesanwalts abgeblockt. Deshalb habe er den Innenausschuss-Vorsitzenden gebeten, sich an den Generalbundesanwalt zu wenden mit der Bitte, die Akten freizugeben, so Ritter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.09.2017 | 16:10 Uhr

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