Stand: 05.01.2016 08:58 Uhr

Passkontrollen auf dem Weg nach Norden

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Wenn Flüchtlinge mit nach Skandinavien wollen, geht bei der Einreise ohne gültige Papiere nichts mehr. (Archivbild)

Nach Schweden hat auch die dänische Regierung Passkontrollen eingeführt. Seit Mitternacht werden bei Reisenden wieder die Pässe kontrolliert. Das heißt, keine Stichproben der Polizei mehr, ausweisen müssen sich jetzt alle Passagiere in Zügen, Bussen und auf Fähren bei der Einreise nach Dänemark. Damit soll die hohe Zahl an Asylbewerbern eingedämmt werden.

Keine Schlangen am Fährschalter in Rostock

Vom Rostocker Überseehafen geht es per Fähre Richtung Skandinavien. Lange Schlangen am Schalter der Reedereien gibt es zur Zeit nicht. Diesen Eindruck bestätigen die Reedereien, die Bundespolizei und auch die Verantwortlichen für den Rostocker Hafen. Das liegt zum Einen daran, dass die Silvesterreisen zu Ende sind und nun eine eher ruhige Zeit für die Fähren beginnt.

Zum Anderen gibt es keine Schlangen, weil sich im Hafen eigentlich nichts ändert. Wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte, kontrollieren deutsche Beamte nach wie vor keine Dokumente von Reisenden Richtung Skandinavien - dafür gebe es keine gesetzliche Grundlage, heißt es. Die dänische Reederei hat solche Kontrollen noch nicht eingeführt, wie eine Unternehmenssprecherin der Reederei Scandlines sagte. Auf der Internetseite von Scandlines zum Beispiel heißt es aktuell, dass alle Reisenden gültige Reisedokumente und falls nötig, ein gültiges Visum vorweisen müssen.

Die Fährreedereien, die ihre Schiffe nach Trelleborg schicken, kontrollieren die Ausweise schon seit Mitte November. Also ist das Verfahren schon geübt und auch was mögliche Wartezeiten angeht unproblematisch.

Sellering: Kein gutes Zeichen

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) zeigte sich besorgt über Dänemarks Passkontrollen an der deutschen Grenze gezeigt. Auf NDR Info sagte Sellering, es sei kein gutes Zeichen, wenn wegen der Flüchtlingskrise die Freizügigkeit in der EU in Gefahr gerate. Er erwarte aber keinen Rückstau von Flüchtlingen in Norddeutschland. Dafür seien die Menschen zu gut vernetzt. Sellering äußerte gleichzeitig Verständnis für den Wunsch aufnahmewilliger Länder, den Zuzug von Asylsuchenden in geordnetere Bahnen zu lenken. Es sei aber notwendig, diese Ordnung in der gesamten Europäischen Union herzustellen, so der Ministerpräsident.

Rostock bleibt entspannt - Notunterkünfte bereit

In Rostock gibt es zur Zeit keinen Stau reisewilliger Flüchtlinge nach Skandinavien. Der Pressesprecher der Stadt, Ulrich Kunze, sagte NDR 1 Radio MV, dass sich derzeit zwischen 100 und 200 Flüchtende zum Beispiel in der Industriehalle in Rostock-Schmarl befinden. Das seien aber vor allem Flüchtlinge, die bleiben wollen, also nach Horst in die Erstaufnahme kommen oder im Land anderweitig verteilt werden.

Secruity-Männer kontrollieren die Identifikation der Menschen an der dänischen Grenze. © dpa-Bildfunk Fotograf: Palle Peter Skov

Interview: Grenzkontrollen nach Dänemark

NDR 1 Radio MV - Ihr Lieblingsmix am Nachmittag -

NDR Reporter Martin Möller war am Tag der ersten Kontrollen in Dänemark und berichtet im Interview mit NDR 1 Radio MV über den Ablauf und die Hintergründe der Passkontrollen.

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Fähre mit dänischer Flagge

Dänemark führt wieder Passkontrollen durch

Nordmagazin -

Wer mit der Fähre von Deutschland nach Dänemark reist, muss unter Umständen seinen Pass vorzeigen. Auch in Regionalbussen oder der Dänischen Staatsbahn wird wieder kontrolliert.

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Nur wenige wollen weiter nach Norden. Das bestätigt auch eine Zahl der Bundespolizei: Am vergangenen Wochenende sind von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zusammen etwa 800 Flüchtlinge Richtung Dänemark oder Schweden gefahren. Rund 700 waren es auf dem Landweg über Flensburg und 100 über die Häfen in Rostock und Sassnitz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.01.2016 | 12:00 Uhr