Stand: 04.09.2015 14:26 Uhr

Palästinensermädchen Reem darf bleiben

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Die Reaktion der Bundeskanzlerin auf das weinende Mädchen hatte eine Debatte ausgelöst.

Das durch eine Diskussionsrunde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Juli bekannt gewordene palästinensische Mädchen Reem hat gute Chancen auf eine gesicherte Existenz in Deutschland. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus dem Rostocker Rathaus erfuhr, haben das 14-jährige Mädchen und ihr Vater zunächst eine bis März 2016 befristete Aufenthaltserlaubnis erhalten.

Engültige Entscheidung spätestens März 2017

Die Erlaubnis werde halbjährlich überprüft - und es sei davon auszugehen, dass die Behörden bei den kommenden Prüfungen zu keinem anderen Ergebnis kommen werden. Spätestens zum März 2017 soll die endgültige Klärung folgen. In den Ämtern herrsche Optimismus, dass am Ende eine gesicherte Existenz für Reem und ihre Familie in Deutschland stehen werde, hieß es.

Für Reems jüngeren Bruder und für ihre Mutter würden derzeit noch weitere Dokumente aus dem Libanon benötigt. Die beiden seien jedoch durch die vorläufige Aufenthaltserlaubnis für Reem und ihren Vater vor einer Abschiebung geschützt.

"Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussieht"

Die Kanzlerin und Reem waren Mitte Juli beim Bürgerdialog "Gut leben in Deutschland" in der Rostocker Paul-Friedrich-Scheel-Schule aufeinandergetroffen. Dabei hatte die teilweise gelähmte Reem, die seit vier Jahren in Rostock lebt, von ihrem Schicksal und dem ihrer Familie berichtet. "Es ist wirklich sehr unangenehm, zuzusehen wie andere das Leben genießen können und man es selber halt nicht mitgenießen kann", hatte sie in bestem Deutsch gesagt. "Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussieht."

Merkel streichelt weinendes Mädchen

Merkels hatte in ihrer Antwort auf die Gesetzeslage und die vielen Zehntausend Flüchtlinge verwiesen, die nach Europa kommen wollen. "Und wenn wir jetzt sagen: Ihr könnt alle kommen und Ihr könnt alle aus Afrika kommen (...) Das können wir auch nicht schaffen." Mitten in der Antwort war Reem in Tränen ausgebrochen. Merkel war mit den Worten "Ooch komm, das hast du doch prima gemacht" zu ihr gegangen und hatte ihr die Wange gestreichelt.

Dialog sorgt für Wirbel in sozialen Netzwerken

Merkels Reaktion wurde schnell zum Gegenstand einer kontroversen Debatte. In den sozialen Netzwerken wie Twitter sorgte der Dialog unter dem Hashtag #merkelstreichelt für viel Aufsehen. Viele Nutzer reagierten mit heftiger Kritik auf Merkels Verhalten gegenüber dem Mädchen. Es gab aber auch Stimmen, die die Reaktion der Kanzlerin als professionell bezeichneten.

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17.07.2015 18:25 Uhr
NDR Info

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.09.2015 | 14:00 Uhr