Stand: 21.01.2016 18:48 Uhr

Ostseepipeline: Gaslieferung auf Rekordniveau

Die Ostseepipeline Nord Stream hat 2015 soviel russisches Erdgas nach Europa befördert wie nie zuvor. Nach Angaben des vom russischen Energiekonzern Gazprom dominierten Betreiberkonsortium wurden im vergangenen Jahr rund 39,1 Milliarden Kubikmeter Gas durch die rund 1.200 Kilometer lange Doppelstrang-Leitung am Ostseegrund an die Europäische Union geliefert. Das entspreche bei einer Transportkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter einer Auslastung von 71 Prozent.

Stetiger Liefer-Zuwachs

Laut Nord Stream waren 2014 35,5 Milliarden Kubikmeter und 2013 rund 23,8 Milliarden Kubikmeter durch die im vorpommerschen Lubmin anlandende Verbindung geströmt. "Dank der zuverlässigen und leistungsstarken Nord-Stream-Infrastruktur können Gaszufuhren für die Europäische Union jederzeit erhöht werden, um veränderte Marktanforderungen und Kapazitätsengpässe auf anderen Versorgungswegen auszugleichen", sagte ein Sprecher. Die durchschnittliche Transportkapazität der beiden Pipelines habe im Dezember 2015 bei 77,9 Prozent gelegen.

Daten zur Ostsee-Pipeline Nord Stream

- Gesamtinvestitionen: 7,4 Milliarden Euro
- Bauzeit: April 2010 bis Oktober 2012
- Länge: 1.224 Kilometer
- Ausgangspunkt: Wyborg an der russischen Ostseeküste an der Grenze zu Finnland
- Endpunkt: Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern
- Betreiber: Nord Stream AG
- Betrieb: Erster Pipelinestrang seit November 2011; zweiter Strang seit Oktober 2012
- Kapazität: Durch die zwei Röhren werden bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr geliefert
- Die Pipelines liegen auf dem Meeresboden auf, an manchen Stellen waren Aufschüttungen aus Gesteinsbrocken und grobem Kies notwendig

Nord Stream 2 soll Kapazität verdoppeln

Das aus Russland kommende Gas wird in Lubmin nach Westeuropa weitergeleitet. Seit der Inbetriebnahme der Pipeline im Jahr 2010 sind den Angaben zufolge 112,5 Milliarden Kubikmeter Gas durch die Leitung transportiert worden. Gazprom plant mit Nord Stream 2 ein weiteres Gasprojekt in der Ostsee, das die Lieferkapazität verdoppeln könnte. Doch das Vorhaben ist in der EU - insbesondere bei ost- und südeuropäischen Staaten - äußerst umstritten und hat schon Anlass zu Streit geliefert.

Erweiterung äußerst umstritten

Kritiker monieren, Nord Stream 2 sei unvereinbar mit den Zielen der europäischen Energiepolitik - insbesondere sich von russischer Energie unabhängiger zu machen. Nord Stream 2 ist auch umstritten, weil die Ukraine befürchtet, dass durch eine Umleitung der Gasversorgung Westeuropas die Position Kiews gegenüber Russland geschwächt wird. Bislang ist die Ukraine eines der wichtigsten Transitländer. Beteiligt sind an den Nord-Stream-2-Plänen neben Russland auch die deutschen Konzerne Eon und BASF sowie das britisch-niederländische Unternehmen Shell, die österreichische OMV und die französische Engie-Gruppe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.01.2016 | 21:00 Uhr