Stand: 12.08.2014 20:21 Uhr  | Archiv

Ohne Lohn: Ausbeutung griechischer Arbeiter

von Philipp Hennig & Pippa Nachtnebel

Voller Hoffnung kamen Dutzende Arbeiter aus Griechenland und Osteuropa vor ein paar Monaten nach Lubmin und Groß Stieten. In Mecklenburg-Vorpommern wollten sie Geld verdienen. Geld für ein besseres Leben in ihrer Heimat. Doch sie strandeten elendig - mitten in Deutschland.

Eine Reporterin mit jungen Männern in einem von Schimmel befallenen Raum.

Ohne Lohn: Ausbeutung griechischer Arbeiter

Panorama 3 -

In Mecklenburg-Vorpommern sind etwa 100 griechische Facharbeiter gestrandet. Ein Unternehmer lockte sie mit angeblich lukrativen Verdienstmöglichkeiten nach Norddeutschland.

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Ein Subunternehmer hatte sie mit dem Versprechen auf lukrative Arbeit nach Norddeutschland gelockt. Und Arbeit gab es reichlich. Die Männer bestrahlten auf einer Werft Metallkonstruktionen mit Sand. Sie arbeiteten über einen Werkvertrag von der Paan IndustrieserviceGmbH (Oldenburg) für die Hamburger Firma Krebs Industrie-Service GmbH. Die Firma Krebs wiederum agierte als Subunternehmer für verschiedene andere Unternehmen. Die Auftraggeber will Geschäftsführer Detlef Krebs allerdings nicht preisgeben.

Katastrophale Unterbringung

Die Unterbringung der Arbeiter war katastrophal: Nur eine Dusche für mehr als 20 Männer, Schimmel an der Decke, defekte Toiletten. Die Arbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen den Chef der Oldenburger Firma. Wochenlang habe er sie nicht bezahlt. Vielen schulde der Unternehmer Tausende von Euros.

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Pippa Nachtnebel

Panorama 3

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Seit Mai kein Geld

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Gestrandet bei Wismar: Griechische Arbeiter.

Paan Idustries teilt uns schriftlich mit: "In diesem speziellen Fall wurden die Arbeitnehmer im Mai 2014 letztmalig bezahlt. Eine Zahlung im Monat Juni konnte nicht vorgenommen werden, da das Firmen-Konto gesperrt wurde." In der Tat teilt uns die Staatsanwaltschaft Oldenburg mit, dass sie das Konto Ende Juli gepfändet habe, wegen des Verdachts Sozialabgaben nicht gezahlt zu haben.  Doch einige Arbeiter berichten, dass sie seit Monaten keinen Lohn bekommen haben.

Die Ausbeutung von Werkverträglern hat offenbar System. Das wiederkehrende Schema: Eine große Firma vergibt einen Auftrag an einen Subunternehmer, der wiederum einen Subunternehmer anheuert. Verlierer sind häufig die Arbeitnehmer, während die Firma an der Spitze ihre Hände in Unschuld wäscht. Das bestätigt auch Ingo Schlüter vom DGB: "In der Regel ist es so, dass eine große Firma einen Auftrag vergibt und eine andere Firma das weitergibt und am Ende hat man dann nicht mehr nachvollziehbare Verantwortlichkeiten. Vor allem ermöglicht dieses System Schmutzkonkurrenz und Lohndumping."

Nur ein "Einzelfall"?

Erst als der DGB sich einschaltete bekamen die Arbeiter Hilfe. Die Verantwortung für die katastrophalen Verhältnisse, in denen die Arbeiter leben mussten, weist Subunternehmer Krebs weit von sich: “Also ich bin selber 20 Jahre auf Montage gewesen und wir überprüfen und reden mit Partnerfirmen und ich habe keinen Anlass gesehen mehr zu tun als das, was wir getan haben. Ich muss sagen, dass wir uns um alle Mitarbeiter kümmern, auch um die Partnerfirmen. Dafür haben wir auch leitende Mitarbeiter, die das überprüfen." Offenbar war die Prüfung diesmal nicht gründlich genug. Krebs spricht von einem Einzelfall.

In einer gemeinsamen Hilfsaktion von verschiedenen Gewerkschaften, dem Wismarer Jobcenter, der Firma Krebs und lokalen Politikern wurde den Arbeitern nun vorerst geholfen. Sie bekommen ein Handgeld und eine vorrübergehende Unterkunft. Aber auf ihren Lohn warten die Arbeiter immer noch.

 

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 07.08.2014 | 21:15 Uhr