Stand: 20.11.2015 13:45 Uhr

Nordic Yards will Polar-Kreuzfahrer bauen

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In Wismar hat Nordic Yards bereits eisbrechende Rettungs- und Bergungsschiffe gebaut. (Archivbild)

Die Nordic Yards Werften in Stralsund, Wismar und Warnemünde verhandeln derzeit über den Bau mehrerer Schiffen. Wie Geschäftsführer Herbert Aly am Donnerstagabend in Stralsund sagte, handelt es sich dabei unter anderem um kleinere Expeditionsschiffe für Polarregionen.

Gewerkschaft: "Jeder Auftrag hilft uns"

Die IG Metall begrüßt die Ankündigung von Nordic. "Jeder Auftrag hilft uns", sagte der Stralsunder IG Metall-Bevollmächtigte Guido Fröschke am Freitag. "Egal, an welchem Standort gebaut wird - es trägt dazu bei, dass Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern die Arbeit behalten."

Nachfrage nach eisgängigen Schiffen

Die Werften wollen mit dem Bau eisgängiger Passagierschiffe die Absatzprobleme im Russland- und im Offshore-Geschäft überbrücken. Der Kreuzfahrtschiffbau erlebe derzeit einen Nachfrageboom, so Geschäftsführer Aly. Vor allem im Segment eisgängiger Passagierschiffe, mit denen Fahrten in die Arktis möglich sind. Bei Nordic seien derzeit sieben Projekte im Premiumsegment in Bearbeitung, unter anderem für kleinere Expeditionsschiffe für Polarregionen mit 200 bis 250 Passagieren. Verhandelt werde über den Bau schlüsselfertiger Schiffe, die noch 2018 geliefert werden sollen, so Aly weiter. Im Gegensatz zur Konkurrenz könne Nordic zeitnah liefern.

Geschäftsführer hofft auf Landesbürgschaften

Notwendig sei aber auch die Absicherung dieser Aufträge durch Bürgschaften, appellierte Aly an das Land. Langfristig sieht Aly die Zukunft der im Besitz des russischen Eigners Witali Jussufow befindlichen Nordic-Werften im Russland-Geschäft. Es gebe in der russischen Flotte einen gewaltigen Investitionsstau. "Die Kontakte sind da, die Gespräche laufen. Es kommt nur nicht zu Abschlüssen."

Ausgleich in den Auftragsbüchern für bis zu fünf Jahre

Nach seinen Angaben hat Nordic durch die Russland-Sanktionen 30 Prozent seines Auftragsspektrums verloren, weitere 20 Prozent durch niedrige Preise im Öl- und Gasmarkt sowie 40 Prozent im Plattformbau. Der Bau der Schiffe könnten diese Rückgänge nun für die nächsten vier bis fünf Jahre ausgleichen.

Größere Neubauaufträge fehlen bislang

Die Werftengruppe in Wismar, Warnemünde und Stralsund steht unter Druck: Bis 2017 soll die Offshore-Konverter-Plattform "Dolwin 3" fertiggestellt sein. Weitere größere Neubauaufträge gibt es noch nicht. Anfang September hatte Nordic deswegen den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.11.2015 | 14:00 Uhr

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