Stand: 22.01.2016 21:00 Uhr

Neue Vorwürfe: Schweriner Jugendtreff soll schließen

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Nach den Missbrauchsfällen steht der Verein "Power for Kids" in der Kritik.

Der Schweriner Jugendhilfeverein Power for Kids wird nun doch vorübergehend seinen Jugendtreff schließen. Darauf hatte die Stadt gedrungen. Am Freitag willigte der Vereinsvorstand nach einem Treffen mit dem zuständigen Dezernenten der Stadt, Andreas Ruhl, ein. Hintergrund ist der Skandal um vielfachen Kindesmissbrauch. Der 41-jährige Mitbegründer des Vereins steht deshalb vor Gericht, er hatte dutzendfachen Missbrauch bereits eingeräumt. Außerdem wurden jüngst neue Vorwürfe gegen den Mann laut.

Stadt hilft Verein bei Schulungen

Rund zwei Stunden lang hatte der Sozialdezernent mit dem Vorstand und den Beratern von Power for Kids diskutiert. Danach berichtete Ruhl, der Verein habe einer zeitweiligen Schließung zugestimmt. Die Stadt werde im Gegenzug bei Schulungen für das ehrenamtliche Personal und bei einem neuen pädagogischen Konzept Hilfe leisten. Auch solle es ein Schutzrichtlinien geben, um künftig Missbrauchsfälle zu verhindern. Für die Kinder und Jugendlichen solle es während der Schließung alternative Angebote geben - sobald diese gesichert seien, werde die Auszeit beginnen. Die nun mit der Stadt vereinbarte Auszeit wollte der Verein auf NDR Nachfrage nicht kommentieren.

Der Schweriner Jugendtreff: Neue Vorwürfe

Schweriner Jugendtreff: Neue Vorwürfe

Nordmagazin -

Wegen 62 Fällen von Kindesmissbrauch ist der langjährige Vorsitzende des Schweriner Jugendtreffs "Power für Kids" bereits angeklagt - jetzt kommen offenbar neue Vorwürfe hinzu.

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Ausschuss besteht auf Schließung

Eine erste Schließungsaufforderung hatte der Vorstand in der vergangenen Woche noch abgelehnt. Das sei für die Aufarbeitung nicht nötig und würde die Kinder verunsichern, hieß es. Der Jugendhilfeausschuss hatte auf einer Auszeit bestanden. Diese soll eine genaue Überprüfung der Vereinsstrukturen ermöglichen.

Deutlich schwerere Missbrauchsvorwürfe

Den neuen Vorwürfen zufolge soll der wegen 62-fachen Kindesmissbrauchs Angeklagte drei Jungen deutlich schwerer missbraucht haben, als bislang bekannt. Das sagte die Rechtsanwältin der Opfer NDR 1 Radio MV. Die Staatsanwaltschaft bestätigte zudem, dass bereits 2004 gegen den Mann wegen Missbrauchsvorwürfen ermittelt worden war. Nach NDR Informationen gab es seinerzeit eine Anzeige vom Sohn der Lebensgefährtin des Vereins-Mitbegründers.

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Wegen 62 Fällen von Kindesmissbrauch ist der Jugendarbeiter bereits angeklagt, jetzt kommen offenbar noch schwerere Straftaten hinzu.

Der Sohn war zu diesem Zeitpunkt fast 18 Jahre alt und hatte den derzeit vor Gericht stehenden mutmaßlichen Täter bezichtigt, ihn als Kind missbraucht zu haben. Es habe sich bei den damaligen Ermittlungen allerdings kein hinreichender Tatverdacht ergeben - auch, weil der junge Mann sagte, er habe sich alles ausgedacht, so der Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft, Stefan Urbanek. Auch die Mutter hatte nach NDR Informationen seinerzeit die Vorwürfe des Sohnes bestritten. Heute ist sie Vorsitzende des Vereins. Am Montag wird der Prozess gegen den Angeklagten fortgesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.01.2016 | 21:00 Uhr