Stand: 11.08.2017 12:10 Uhr

Nach Ochsen-Riss: Rinderherde erneut attackiert

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Bei der ersten Attacke war ein acht Monate alter Ochse gerissen worden.

Der Landwirt, dessen Tiere von einer mutmaßlichen Wolfsattacke betroffen sind, fordert wirksame Gegenmaßnahmen, um weitere Angriffe zu verhindern. Wer wolle, dass der Wolf geschützt bleibt, müsse auch den ganzen zusätzlichen Aufwand bezahlen, sagte der Betriebsleiter der Niendorfer Landerzeuger GmbH, Hans-Werner Mau. In der vergangenen Nacht seien seine Jungtiere in Schlesin (Kreis Ludwigslust-Parchim) erneut verschreckt worden. Es war der dritte Vorfall in drei Nächten.

"Das müssen sechs Wölfe gewesen sein"

Am Mittwoch war ein junger, rund 400 Kilogramm schwerer Ochse vermutlich von Wölfen getötet und zur Hälfte aufgefressen worden. "Das müssen sechs Wölfe gewesen sein", sagte der Geschäftsführer der Niendorfer Landerzeuger GmbH, Hans-Werner Mau. "Die Raubtiere müssen endlich lernen, sich von Rindern fernzuhalten." Zwei Wolfsrudel leben in der Nähe des landwirtschaftlichen Betriebs. Ein Rissgutachter fand mehrere Hinweise dafür, dass Wölfe die Herde angegriffen hatten. Das genetische Gutachten steht aber auch noch aus.

Gutachten soll Gewissheit bringen

Einen Tag nach dieser ersten Attackein der Gemeinde Grebs-Niendorf (Landkreis Ludwigslust-Parchim) waren weitere Angriffe bekannt geworden - auf dieselbe Rinderherde sowie auf eine Schafherde in Prerow auf dem Darß. Dort wurden bereits am 1. August zwei Schafe gerissen und zwei weitere verletzt, von denen eines später starb, teilte das Landwirtschaftsministerium in Schwerin am Donnerstag mit. Der Gutachter schließe einen Riss durch einen Wolf nicht aus. Gewissheit würden aber erst die Ergebnisse der Genetikproben in etwa drei Wochen bringen.

Verstörte Rinderherden trampeln Zäune nieder

Möglicherweise hat das Tier den Wölfen so gut geschmeckt, dass die Raubtiere in der Nacht zum Donnerstag erneut zuschlagen wollten. Diesmal sind sie jedoch nicht zum Zuge gekommen. Allerdings berichtete der bewirtschaftende Landwirt, dass die beiden Herden, die etwa 500 Meter voneinander entfernt geweidet haben, völlig verstört gewesen seien. Die Mastrinder hätten die doppelten Weidezäune heruntergerissen, sich verängstigt zusammengedrängt und wären beinahe auf eine Straße gelaufen, so der Landwirt, für den es durch den Vorfall in der arbeitsreichen Erntezeit so noch mehr zu tun gab.

Landwirt besorgt

Etwa 170 Ochsen und Färsen mussten auf der Koppel voneinander getrennt werden. Dazu musste jedes Tier einzeln eingefangen werden. Hierzu waren spezielle Gitter nötig, die erst auf die Weide gebracht werden mussten. Zusätzliche Sorge bereitet Landwirt Mau die Gefahr, dass die Tiere bei einer erneuten Attacke panisch auf die die Straße laufen und einen Unfall verursachen könnten. Wer haftet dann für die Schäden, fragt sich Mau.

Das Wolfs-Comeback in Mecklenburg-Vorpommern

Ministerium prüft Schutzmaßnahemn für Rinderherden

Rinderhalter müssen - im Gegensatz etwa zu Schafhaltern – zum Schutz vor Wölfen keine höheren Zäune bauen und spezielle Herdenschutzhunde halten. Denn es heißt, dass Rinder wehrhaft genug sind. Nun allerdings prüft das Landwirtschaftsministerium, ob auch für Rinderherden ein zusätzlicher Schutz nötig ist. Landwirt Mau meint, die Raubtiere müssten lernen, sich von Rindern fernzuhalten. Das müsse zur Not auch mit Schüssen sein. "Niemand will Wölfe ausrotten, aber unsere Rinder haben auch ohne die Vorfälle genug Stress durch das feuchte Wetter und Mücken", erklärte Mau. Bereits im Herbst war in dem Niendorfer Landwirtschaftsbetrieb ein weibliches Jungrind von Wölfen gerissen worden.

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Schäfer rufen für den 15. September zu Solidar- und Mahnfeuern auf.

Rechtlich gibt es die Möglichkeit, für verhaltensauffällige "Problem-Tiere" Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss zu erteilen. Der Bauernverband drängt auf eine schnelle politische Lösung, den Wolfsbestand zu regulieren und die Förderrichtlinie Wolf zu überarbeiten. "Es ist nun der zweite Übergriff auf eine Rinderherde in dieser Region. Das ansässige Wolfsrudel scheint gelernt zu haben, dass auch unsere großen Nutztiere eine leichte Beute sind", sagte der Vizepräsident des Landesbauernverbandes, Manfred Leberecht. Der Förderverein der Deutschen Schafhaltung hat derweil für den 15. September europaweit zu Mahn- und Solidarfeuern aufgerufen.

Seit 2000 Wölfe zurück in Deutschland

In Mecklenburg-Vorpommern hatten sich die ersten Wölfe vor rund elf Jahren angesiedelt. Zu Beginn waren es einzelne Tiere, im Sommer 2014 konnte dann in der Lübtheener Heide und der Ueckermünder Heide der erste Wolfsnachwuchs nachgewiesen werden - mithilfe von Fotofallen. Laut dem Schweriner Agrarministerium leben derzeit mindestens drei Wolfsrudel und mehrere Wolfspaare im Nordosten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.08.2017 | 10:00 Uhr

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