Stand: 30.01.2016 06:31 Uhr

Merkel stimmt CDU auf Landtagswahlkampf ein

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Die Landes-CDU geht mit ihrem Vorsitzenden, Innenminister Lorenz Caffier, als Spitzenkandidat ins Rennen.

Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern will sich von der rechtspopulistischen AfD nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. "Wir haben schon ganz andere Sachen erlebt", sagt Generalsekretär Vincent Kokert, im Hauptjob Chef der CDU-Landtagsfraktion. Während seine Union heute im Neubrandenburger Haus der Kultur und Bildung (HKB) ihre Listen-Kandidaten für die Landtagswahl im September bestimmt, trommeln die Spitzen der AfD im Nordosten draußen ihre Anhänger auf dem nahen Marktplatz zusammen.

Merkel zum dritten Mal im heimischen Landesverband

Unter dem Motto "Merkel muss weg" wollen die Rechtspopulisten Stimmung machen. "Sollen sie", heißt es gelassen bei der Union. Den Parteitag werde das nicht stören und erst recht nicht die Kanzlerin. Angela Merkel hat sich im neuen Jahr bereits zum dritten Mal im heimischen Landesverband angekündigt. Die CDU-Bundesvorsitzende wird den etwa 160 Delegierten die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung erläutern und sicherlich auch Mut für den bevorstehenden Landtagswahlkampf machen.

AfD demonstriert draußen

In diesem Wahlkampf will die AfD kräftig mitmischen. Eine Umfrage der Rostocker "Ostsee-Zeitung" sieht die Partei - anders als im Bundestrend - allerdings nur bei 5,5 Prozent. Der erhoffte Einzug in den Landtag scheint längst nicht sicher, zumal die AfD bisher als Ein-Themen-Partei in Erscheinung getreten ist. Mit Aktionen wie der Anti-Merkel-Demo versucht die "Alternative" aus dem Umfrage-Tief herauszukommen. Die Veranstaltung mit den erwarteten aggressiven Grundtönen beschert der Neubrandenburger Polizei allerdings Sonderschichten und stellt sie vor besondere Herausforderungen. Nach den gewaltsamen Übergriffen auf Journalisten während einer AfD-Kundgebung in Magdeburg am vergangenen Mittwoch hat sie ihr Aufgebot noch einmal verstärkt, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte.

Rechtspopulisten gegen Medienvertreter

Besonders Medienvertreter gelten als gefährdet. Immerhin macht auch die AfD-Spitze im Land regelmäßig Front gegen die sogenannte Lügenpresse. Vorstandsmitglieder fühlen sich bei kritischer Berichterstattung ungerecht behandelt und wettern in sozialen Medien gegen "Schmierfinken". Immer öfter schickt die Partei teure Anwaltsbüros in Marsch, um nach unbequemen Artikeln Gegendarstellungen durchzusetzen - meist erfolglos. Ihre heutige Demonstration steht indes unter keinem guten Stern: Ein Sturmtief beschert wohl auch dem Binnenland starke Böen, außerdem viel Regen: Erkältungswetter für die AfD-Wahlkämpfer.

Landeschef Caffier als Nummer eins

Im Trockenen ist die Union: Sie geht mit ihrem Landesvorsitzenden, Innenminister Lorenz Caffier, als Spitzenkandidat ins Rennen. Caffiers Wahl zur Nummer eins der Liste ist sicher, der 61-Jährige kann mit Rückhalt in der Partei und einem guten Ergebnis in Neubrandenburg rechnen. Die Basis rechnet ihm seinen klaren Kurs in der Flüchtlingsfrage hoch an - auch Caffiers markante Worte gegen Asylmissbrauch und sein Eintreten für eine schnelle Abschiebung von Menschen ohne Aslyanspruch. Auf Platz 2 gesetzt ist Fraktionschef Kokert.

Löst die CDU ihr "Frauen-Problem"?

Die große Frage wird sein, wie viele Frauen die Delegierten auf die vorderen und damit aussichtsreichen Listenplätze wählen. Denn der CDU im Land fehlen die Frauen: In der aktuellen Fraktion sind von 18 Abgeordneten nur zwei weiblich. Das ist der geringste Frauenanteil einer Unionsfraktion in den Landtagen. Der Landesvorstand schlägt drei Frauen auf den ersten zehn Listenplätzen vor. Beate Schlupp auf Platz drei, Maika Friemann-Jennert auf sieben und Christiane Berg auf Platz zehn.

Mächtige Kreisvorsitzende

Der Landesvorstand musste bei seinem Listenvorschlag aber auch andere parteiinterne Interessen berücksichtigen. Dabei spielen die mächtigen Kreisvorsitzenden wie Harry Glawe (Listenplatz vier) oder Thorsten Renz (Platz fünf) eine Rolle: Auch sie drängen auf die vorderen Listenplätze und sie sind fast ausnahmslos Männer. Nur in Schwerin ist mit Dorin Müthel-Brenncke eine Frau an der Spitze eines Kreisverbandes, aber auch sie kandidiert nicht für den Landtag.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.01.2016 | 07:00 Uhr