Stand: 24.10.2015 14:36 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern steigert Exporte

Die Ausfuhren von Firmen aus MV steuern auf einen Rekord zu.

Ungeachtet weltweiter Krisenherde brummt die Exportwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Amtes in Schwerin legten die Ausfuhren im ersten Halbjahr um 14,6 Prozent zu. 4,2 Milliarden Euro setzten die hiesigen Unternehmen mit Verkäufen ins Ausland um. Damit dürfte der Exportrekord aus dem Jahr 2013 von 7,3 Milliarden Euro zum Jahresende wackeln.

Ernährungsgüter-Export bricht ein

Doch ein Wermutstropfen trübt die vorläufige Bilanz: Die Ernährungswirtschaft erlitt teilweise empfindliche Einbußen im Außenhandel. Die Flaute im China-Geschäft und vor allem die Sanktionen gegen Russland haben den Milchbauern, Viehzüchtern und Fleischverarbeitern das Geschäft verhagelt. Während vor allem drastisch gestiegene Weizen- und Kartoffelexporte für ein Plus vom 21,5 Prozent bei pflanzlichen Nahrungsgütern sorgten, brachen Fleisch-, Fisch-, Milch- und Käseexporte massiv ein. Das Minus zum Vorjahreszeitraum bei Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs betrug fast 20 Prozent.

Bauern besorgt über Milcherlöse

"Es gibt ein großes Überangebot an Milch weltweit und das nutzen Lebensmittel-Discounter auch in Deutschland aus. Der Preiskampf ist gnadenlos, er geht zulasten der Bauern. Es ist zum Heulen", sagte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Die Einnahmen deckten längst nicht mehr die Kosten. 56 kleinere Milchbauern im Land hätten in diesem Jahr schon das Handtuch geworfen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Landesbauernverbandes, Gerd Göldnitz: "Der Milchpreis ist um ein Drittel auf inzwischen 25 Cent gesunken. An jedem Kilogramm verdient ein Bauer somit 12 Cent weniger. Und 4 Cent davon gehen auf das fehlende Russland-Geschäft."

Niederlande lösen Polen als größten Abnehmer ab

Trotz der starken Einbußen der Ernährungswirtschaft legten die Exporte nach Russland insgesamt um fast 14 Prozent zu und erreichten im ersten Halbjahr ein Volumen von 135 Millionen Euro. Größter Abnehmer sind jedoch die Niederlande (404 Millionen Euro), die zur Jahresmitte Polen als größten Importeur ablösten. Die Ausfuhren nach Dänemark, Griechenland und Italien gingen hingegen zurück. Der Handel mit Saudi-Arabien und dem Iran läuft nach wie vor insbesondere beim Weizen gut. Das Exportvolumen für beide Länder summierte sich laut Statistikamt im ersten Halbjahr auf zusammen 423 Millionen Euro. "Das ist für die Umschlagshäfen ganz gut. Mir wäre es aber lieber, wir könnten das Getreide zumindest zum Teil im Land verarbeiten und die Wertschöpfung so erhöhen", sagte Backhaus.

Windräder und Holz gehen gut

Die Industrie konnte ihre Exporte deutlich erhöhen. Der Absatz von Stromgewinnungsanlagen wie Windrädern stieg um über 50 Prozent auf ein Volumen von 322 Millionen Euro. Auch der Export von Holz- und Holzprodukten konnte auf 69 Millionen Euro zulegen. Die Wirtschaftskammern im Land und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) zeigten sich erfreut über den Trend. Das steigende Außenhandelsvolumen zeige, dass sich Firmen Mecklenburg-Vorpommerns im internationalen Wettbewerb behaupten könnten. "Vieles ist möglich in Mecklenburg-Vorpommern und vieles kommt auch außerhalb unseres Landes gut an", sagte Sellering.

Im Bundesvergleich nur ein Zwerg

Die Exporte Mecklenburg-Vorpommerns haben sich seit 2015 fast verdreifacht. Trotz dieser guten Entwicklung trägt der Nordosten aber gerade einmal 0,6 Prozent zu den deutschen Warenausfuhren bei. Diese liegen auf einem Rekordniveau von 1,13 Billionen Euro. In den Anfangsjahren hatte der Schiffbau im Nordosten die Ausfuhren maßgeblich bestimmt. Mittlerweile zählen die Ernährungsgüterwirtschaft, der Maschinenbau, die Holzverarbeitung und die Ökostrom-Branche zu den Zugpferden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.10.2015 | 12:00 Uhr