Stand: 25.03.2016 14:15 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern: Kein Feldhasen-Paradies

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Vor allem Junghasen sind bedroht - es fehlen Feldränder und Feldkräuter und Flächen, die nicht beackert werden.

Der Hase gilt als Fruchtbarkeitssymbol und hat deshalb zu Ostern Konjunktur. Das gilt hierzulande aber nur für den Osterhasen. Sein natürliches Vorbild, der Feldhase, steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Er muss in vielen Regionen des Landes ums Überleben kämpfen. Das liegt zu einem Großteil an den ausgeräumten Agrarlandschaften, den großen Feldern. Sie bieten dem Hasen keine Deckung und kein optimales Nahrungsangebot.

Feinschmecker ohne Rückzugsmöglichkeit

Der Hase ist ein Kräuterfeinschmecker. Bis zu 70 Feldkräuter gehören in sein Menü und das findet er vielerorts nicht mehr. Es fehlen Feldränder und Flächen, die nicht beackert werden. Wenn Hasen im zeitigen Frühjahr gesetzt werden - man spricht von Märzhasen - dann werden sie oft in ihren Sassen platt gemacht, weil das Grünland in dieser Zeit gewalzt und geschleppt wird. Die Junghasen sind auch durch die Witterung und durch Raubtiere und Raubvögel bedroht. Wenn - wie in diesem Winter geschehen - einige Forstamtsleiter bei den Drückjagden die Füchse nicht zum Abschuss freigeben, dann hilft das zwar gegen die Mäuseplage, aber nicht den Hasen.

Nur halb so viele Feldhasen wie im Bundesschnitt

Laut Landwirtschaftsministerium ist der Bestand seit zehn Jahren relativ stabil, aber er schwankt zwischen zwei Hasen auf 100 Hektar im Demminer Bereich und über 20 in der Schaalseeregion. Auch auf der Halbinsel Wittow unweit von Putbus wurden bis zu 20 Hasen auf 100 Hektar gezählt. Im Landesdurchschnitt sind es im vergangenen Jahr 5,2 Hasen gewesen, nur etwa halb so viel wie bundesweit. Vor allem sind die Felddhasen dort zu finden, wo es Dauerkulturen wie Weihnachtsbaum- und Obstplantagen gibt und eine klein strukturierte Landschaft mit ausreichend Deckungsmöglichkeiten.

Schutzstreifen und Blühflächen können helfen

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Mit bis zu 70 Kilometern pro Stunde laufen Hasen Haken schlagend vor ihrem Feind davon - schneller als jeder Hund.

Eine Möglichkeit, dem Feldhasen zu helfen, sind die Agrarumweltmaßnahmen, die gefördert werden, also wenn Landwirte Schutzstreifen und Blühflächen anlegen, ihr Grünland extensiv bewirtschaften. Manche Landwirte säen extra Kräutermischungen auf Splitterflächen an. Die Deutsche Wildtierstiftung hat z. B. in der Nähe von Friedland, in der Gemarkung Schwichtenberg auf einer Fläche von 220 Hektar vor zwei Jahren ein Hasen-Paradies - wie sie es nennt - geschaffen. Auf dieser eigenen Öko-Grünlandfläche wird frühestens am 1. Juli gemäht und es bleiben alte Grasstreifen mindestens ein Jahr stehen - die machen so zehn Prozent der Fläche aus. Und darin fühlen sich die Hasen wohl und werden nicht so schnell von Füchsen und Kolkraben entdeckt.

Industrielle Landwirtschaft ist des Hasen Feind

Abwechslungsreiche Landschaften, Hecken, Altgrasstreifen und lockerer Pflanzenbestand: Bis in der 1960er-Jahre fand der Feldhase hierzulande ideale Lebensbedingungen vor. Doch dann setzte sich die industrielle Landwirtschaft mehr und mehr durch. Große Maschinen bestellen immer größere landwirtschaftliche Flächen, Pestizide und Dünger werden eingesetzt. Dem Feldhasen hat das laut NABU schwer zu schaffen gemacht. Er steht auf der Roten Liste und wird als "gefährdet" eingestuft. In einigen Bundesländern im Osten Deutschlands gilt er als "stark gefährdet". Dennoch: Massive Sorgen muss man sich nicht machen. Der Bestand ist laut Deutschem Jagdverband (DJV) stabil. Besonders im Nordwesten Niedersachsens fühlt sich der Feldhase wohl.

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