Stand: 27.01.2016 14:57 Uhr

Opposition buht Brodkorbs Theaterreform aus

Auch der Start ins neue Parlamentsjahr war für Mecklenburg-Vorpommerns Bildungs- und Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) kein leichter. In der ersten Landtagssitzung im Wahljahr 2016 nahm die Opposition aus Grünen und Linken den 38-Jährigen gehörig in die Mangel. Nicht - wie sonst üblich - wegen seiner Schulpolitik, dieses Mal ging es um die Theaterreform: "Chaotisch, unverantwortlich und letztlich gescheitert." Zu diesem Schluss kam der Kulturexperte der Linksfraktion, Thorsten Koplin. Und die Grünen-Abgeordnete Ulrike Berger - ihre Fraktion hatte die aktuelle Stunde zu dem Thema beantragt - gab sich mindestens ebenso angriffslustig: "Die sogenannte Theaterreform ist seit 2012 kein Stück vorangekommen. Die Defizite steigen, Einsparkalkulationen erweisen sich als illusorisch."

Theaterkrise flammt erneut auf

Anlass für den oppositionellen Zangenangriff auf Brodkorb: Die jüngsten finanziellen Turbulenzen am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und die bekanntgewordenen Ergebnisse eines vom Minister in Auftrag gegebenen Finanzgutachtens zum Staatstheater in Schwerin von 2014. Das zeigt nach Ansicht der Grünen, dass trotz Fusion mit dem Standort Parchim das Minus weiter steigt und das Theater dauerhaft auf Finanzspritzen angewiesen ist. Erschwerend kommt für Brodkorb hinzu, dass die Rostocker Bürgerschaft einen bereits mit dem Land verabredeten Theaterneubau torpediert.

Brodkorb: "Politische Mätzchen"

Brodkorb reagierte in der Debatte betont gelassen auf die - wie er es formulierte - "parteipolitischen Mätzchen". Die Landesregierung habe immer gesagt, dass es Finanzlücken an den Theatern geben. Diese zu beseitigen, sei gerade das Ziel. "Der Sinn der Reform ist es, diese Theater zu erhalten - und zwar auf Dauer. Und diesen Prozess werden wir gestalten, dann können Sie noch so viele Versuche starten, Nebelkerzen zu zünden." Brodkorb sagte, es gehe darum, den Theatern Zuschauer zu erhalten, vor allem junge.

Fach "Darstellendes Spiel" an Schulen?

Er wolle deshalb an den Schulen das Unterrichtsfach "Darstellendes Spiel" einführen, um damit mehr Verbindungen zwischen Theatern und Schule zu knüpfen. Vielleicht könnten dabei auch pädagogisch begabte Schauspieler in den Schulen unterrichten. Außerdem müssten sich alle Landkreise gleichermaßen an der Finanzierung der Theater beteiligen - auch mit dem Ziel, die Mitarbeiter an Theatern wie alle übrigen Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu bezahlen. Das Land schießt jährlich 35,8 Millionen Euro zur Finanzierung der Theater hinzu. Die Summe wurde seit 1996 nicht erhöht.

Linke: Es gibt Gutachten, aber kein Konzept

Die Linken sehen in den Aussagen von Brodkorb nur erneute Ankündigungen des Ministers. Die Bildungsexperte Simone Oldenburg erklärte, das Unterrichtsfach "Darstellendes Spiel" sei in den Lehrplänen längst vorgesehen, der Minister müsse dafür nur Stunden bewilligen. Ihr Fraktionskollege Koplin kritisierte, Brodkorb reagiere wieder einmal hektisch und unter Druck: "Es gibt kein Theaterkonzept, was es gibt, das sind Gutachten."

Fünf-Punkte-Plan präsentiert

Koplin präsentierte in der Debatte erneut eigene Vorschläge: Ein Fünf-Punkte-Plan soll den Theatern die nötigen Fördermittel gewähren und ihren Bestand im Rahmen eines Kulturfördergesetzes sichern. CDU-Fraktionschef Vincent Kokert meinte am Ende versöhnlich, über die Koplin-Vorschläge könne man doch sprechen, es gebe Übereinstimmungen mit den Zielen der Landesregierung. Beschlüsse hat der Landtag in der Aktuelle Stunde heute nicht gefasst. Sicher ist aber, die Debatte geht weiter: spätestens Mitte Februar im Bildungsausschuss.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.01.2016 | 13:00 Uhr