Stand: 14.12.2015 20:29 Uhr

Land vernachlässigt Medizin-Checks an Schulen

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Sozialministerin Hesse will Vorschläge machen, wie der Öffentliche Dienst für Ärzte attraktiver gemacht werden kann.

Land und Kreise vernachlässigen die gesundheitliche Vorsorge von Schülern in Mecklenburg-Vorpommern. Das geht aus einer Antwort des Sozialministeriums auf eine Parlamentsanfrage der Linken-Abgeordneten Simone Oldenburg und Karen Stramm hervor. Demnach wurde im vergangenen Schuljahr nicht einmal die Hälfte aller Achtklässler an Regionalschulen oder Gymnasien von Schulärzten untersucht. Der allgemeine Gesundheitscheck ist in dieser Klasse jedoch gesetzlich vorgeschrieben.

Vergleichsweise hohe Quoten nur in Vorpommern

"Es ist skandalös, dass das nicht eingehalten und dass ein Gesetz so gebrochen wird", kritisierte Oldenburg. Mit dem Ziel, Gesundheitsland Nummer 1 zu werden, habe dieses Vorgehen nichts zu tun. Landesweit liegt die Untersuchungsquote gerade einmal bei 45 Prozent, wobei die regionalen Unterschiede erheblich sind. Besonders dürftig schnitten die Landkreise Nordwestmecklenburg und Rostock ab - hier wurden noch nicht einmal zwei Prozent aller Achtklässler von Schulärzten untersucht - zum Beispiel auf Seh- und Hörschwächen oder Sprachschwierigkeiten. In Nordwestmecklenburg war Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) lange Jahre Landrätin. Geringe Quoten haben auch Ludwigslust-Parchim (16,8 Prozent) und Schwerin (27,5 Prozent). Vergleichsweise vorbildlich sind dagegen die beiden Landkreise in Vorpommern - gut 80 Prozent der Jahrgangsstufe wurden in Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald medizinisch untersucht.

Kreis Rostock auch bei Viertklässlern Schlusslicht

Etwas besser fällt das landesweite Ergebnis bei den Viertklässlern aus - auch hier ist der Medizin-Check gesetzlich vorgeschrieben. Knapp drei Viertel der Schüler sehen im letzten Grundschuljahr den Schularzt. Schlusslicht der Statistik ist auch hier wieder der Landkreis Rostock: Nur knapp 25 Prozent der Viertklässler wurden untersucht.

Oldenburg fordert auch bessere Kontrollen

Die Linken-Abgeordnete Oldenburg sieht deutlichen Verbesserungsbedarf. Auch das Kontrollsystem müsse konsequenter werden: Es reiche nicht, den Kindern einfach einen Diagnose-Zettel mit nach Hause mit zu geben, es müsse auch überprüft werden, ob die Eltern die Gesundheitsprobleme ihres Kindes anpacken.

Ministerium: Arbeit im Öffentlichen Dienst muss attraktiver werden

Das Sozialministerium nannte als Grund für die niedrige Untersuchungsrate die personellen Engpässe in etlichen Gesundheitsämtern. Es sei schwierig, Ärzte für die Arbeit im Öffentlichen Dienst zu finden. Die Aufgabe müsse attraktiver werden, so ein Sprecher. Ministerin Hesse werde dazu ab Januar als Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz Vorschläge unterbreiten. Die Zahl der Ärzte in den Gesundheitsämter ist zwischen 2013 und 2015 nahezu gleich geblieben, es gab knapp 43 Vollzeitstellen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.12.2015 | 07:00 Uhr