Stand: 31.05.2017 18:14 Uhr

Heringsfischer in MV entsetzt über neue Quoten

Bild vergrößern
39 Prozent weniger Hering sollen die Ostsee-Fischer fangen dürfen. Die bangen um ihre Existenz. (Archivbild)

Die Heringsfischer in Mecklenburg Vorpommern haben am Mittwoch mit scharfen Protesten gegen eine mögliche Absenkung der Fangquote im kommenden Jahr reagiert. Experten vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) hatten zuvor eine drastische Reduzierung der Fangquote gefordert. Demnach sollen in der Ostsee nur noch 17.309 Tonnen und damit 39 Prozent weniger Hering gefangen werden dürfen.

Einnahme-Verluste von bis zu 500.000 Euro?

Der Vorschlag mache sprachlos, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern, Michael Schütt, im Gespräch mit NDR 1 Radio MV. Sollten die Vorschläge umgesetzt werden, müsste allein die Fischereigenossenschaft Freest auf 900 Tonnen Hering verzichten. Das entspräche einem Einnahmeverlust von rund einer halben Million Euro, so Schütt. Er fordert deshalb Unterstützung von der Politik.

Heringsbestände haben sich nicht erholt

Hintergrund ist der weitere Rückgang der Heringsbestände in der Ostsee. Die Meeresforscher hatten eigentlich erwartet, dass sich die Heringsbestände erholt haben. Im vergangenen Jahr waren die Fangquoten sogar leicht erhöht worden. Nun rudern die Experten zurück: 2014 und 2016 seien die schwächsten Heringsjahrgänge überhaupt gewesen.

Klimawandel und aktualisierte Berechnungen

Schuld daran sei vermutlich vor allem der Klimawandel, hieß es. Die Nachproduktion des Bestandes liege seit 2004 auf niedrigem Niveau und habe sich in den vergangenen drei Jahren weiter reduziert, sagte der Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann. Ein weiterer Grund sei, dass die Ergebnisse der statistischen Modellberechnungen rückwirkend geändert wurden, weil auch die Zahlen der ein- und zweijährigen Heringe rückläufig waren. So habe der Rat die Biomasse für den Bestand von 115.000 auf 95.000 Tonnen korrigiert. Damit sei der Bestand nicht mehr im grünen Bereich. Die neuen Quoten-Empfehlungen seien besonders tragisch für die Fischerei, weil dieser Rückgang nicht durch Fänge zu begründen sei, so Zimmermann.

Die Forscher des Thünen-Instituts vermuten als Ursache für den Rückgang Störungen in der Nahrungskette durch klimabedingte Temperaturveränderungen, so dass die Larven verhungern. Zudem sei durch das stärkere Wachstum von Kleinalgen die Eiablage auf Seegräsern erschwert.

Weitere Informationen

Ostseehering leidet offenbar unter Klimawandel

Der westliche Ostseehering hat seinen Ursprung größtenteils im Greifswalder Bodden. Doch dort gibt es immer weniger Larven. Forscher vermuten ein Ursachenbündel - ausgelöst durch den Klimawandel. mehr

Weltweit einzigartige Heringsforschung in MV

In Mecklenburg-Vorpommern gilt der Hering als "Brotfisch": Fischer erzielen mit ihm die größten Erträge. Doch immer noch stoßen Nachwuchswissenschaftler beim Hering auf neue Erkenntnisse. mehr

Heringssaison: Quote nicht ganz abgefischt

Qualität des Herings gut, Quantität deutlich unter den Erwartungen: Die Heringssaison geht in Mecklenburg-Vorpommern mit einer etwas geringeren Fangmenge zu Ende. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 31.05.2017 | 18:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

00:41

Ahrenshoop: Kammermusiktage heben begonnen

22.10.2017 16:30 Uhr
Nordmagazin
00:28

Handball: Schwerin unterliegt Hamburg

22.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:30

Die Woche im Nordmagazin

22.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin